Yuck – dto.

von am 23. April 2011

in Musik!

Post image for Yuck – dto.

Wie sollte man als passionierter Indierock-Fan eine Band wie Yuck nicht mögen? Auf ihrem Debütalbum durchwandern Daniel Blumenberg, Max Bloom (beide Ex-Cajun-Party), Mariko Doi, und Jonny Rogoff Berge und Täler, die seit den Neunziger Jahren mehrfach aufgeworfen und mittlerweile wieder etwas geglättet wurden. Auf ihrem Weg nehmen die Engländer alles, aber auch wirklich alles mit, was einem damals schon das Herz brach oder zum Jubeln brachte. Mit Yuck stehen die ersten ernsthaften Erben der Generation Pavement auf der Matte. Und Mann, hat das lange gedauert! Dabei muss man gestehen, dass Yuck im Jahr 2011 auch nichts neu erfinden, was es noch nicht gibt. Mit Sicherheit empfinden viele beim Hören des Albums eine wohlige Nostalgie. Erinnerungen kommen mit der Musik hoch wie Karlsquell-Dosen in der kühlenden Badewanne auf einer Hausparty 1994. Allerdings sind die Songs, die auf „Yuck“ zu hören sind, dermaßen frisch und liebevoll anachronistisch zubereitet, dass das Album Indie-Youngstern ein reichhaltiges Angebot an spannenden Hüpf- und Knutschsongs bietet und alte Kenner sich das Ding ohne zu zögern in die Lieblingsecke ihres Plattenregals stellen.

Alles, was damals noch nicht so richtig Rang und Namen hatte, sondern eher nebenher lief und damit umso cooler war, findet sich hier vertreten: Müsste man sich auf ein Referenzalbum einigen, wäre das wohl Pavements „Slanted & Enchanted“. Das Album vor dem großen Durchbruch, das bei vielen Fans wegen seines brüchig-collagig-spontanen Charmes als das Beste von Malkmus und Co gilt. In dieser Hinsicht sind Yuck durchaus snobistisch und gourmethaft veranlagt. Es kommt einfach immer nur das Beste auf den Tisch. Keine Zeit für halbgare Spielereien oder geschmacklich zweifelhafte Exkurse. Auf der anderen Seite ist dafür auch kein einziger Ausfall auf dem Album vorhanden: „Get Away“ klingt wie eine Mascis-Malkmus-Kollaboration, mit „Shook Dowy“ stellt die Band in Teenage-Fanclub-Manier mit unmissverständlich süßem Schmelz klar, dass sie nicht etwa aus Hoboken oder Stockton, sondern aus London stammt. „Stutter“ feedbackt sich Yo-La-Tengo-artig zart durch eine sternenklare Indie-Sommernacht, „Georgina“ bringt Pavements „Box Elder“ mit The Cure zusammen und ist vielleicht der einzige Song, der den momentan angesagten Beach-Sound zumindest ansatzweise aufgreift. Nach der melancholischen Dreamgrunge-Ballade „Rose Gives A Lilly“ gibt es zum Abschluss ein sich langsam über sieben Minuten aufbäumendes Noise-Monsterchen. Insbesondere dann, wenn man das aktuelle, ewig gleiche Abgenudel von durchgestylten Eighties-Postpunk-Gitarren oder orchesterartiger Indiefolk-Pop-Heimeligkeiten nicht mehr hören kann, ist das hier wie schräbbliger Balsam für die Seele.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: