Yo La Tengo – Forum Bielefeld, 10.11.2009

von am 29. November 2009

in Feierlichkeiten

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Sie gehören zu den ganz großen altmodischen Indie-Institutionen, die in (beinahe) unveränderter Konstellation seit knapp 25 Jahren zusammen sind. Was viel wichtiger ist: Sie haben in diesen Jahren nichts an Relevanz und Charme verloren. Im Gegenteil: Georgia Hubley, Ira Kaplan (die unlängst, passend zur Stetigkeit der Bandgeschichte, gerade Silberhochzeit gefeiert haben) und James McNew veröffentlichen unerschütterlich wundervolle Platten, die mal mehr, mal weniger beachtet werden. Und sie geben noch viel wundervollere Konzerte. Mit And The Glitter Is Gone vom aktuellen Album Popular Songs setzen Yo La Tengo eine typische Tour De Force an den Anfang ihres Sets, die gleich den weiteren Verlauf des Abends vorgibt. Die Band ist auf Krawall gebürstet. Konnte der Hörer auf den letzten Touren noch davon ausgehen, dass es in Zukunft live vielleicht etwas beschaulicher zugehen könnte, holt insbesondere Ira Kaplan alles an Feedback und Noise hervor, das sich in zweieinhalb Jahrzehnten Bandgeschichte angesammelt hat. Zusammengehalten durch Drums und stoische Bassläufe zerlegt Kaplan die simple Grundmelodie des Instrumentals fünfzehn Minuten lang in Krachschleifen und Rückkopplungsgefiepe. Es folgen Wechselbäder aus sehr stillen Momenten, in den man die berühmte Stecknadel fallen hören kann, älteren Indie-Single-Hits wie From A Motel 6 oder Tom Courtenay, neueren jazzigen Groove-Nummern und immer wieder Lärmduschen in allen Variationen. Der Fundus an Songs scheint unerschöpflich, die Setlist selbst ein spontan die Richtung wechselndes, waberndes Ungetüm zu sein. Bei Allem scheint die unverwechselbare Sympathie der Band durch. Hier geht es nicht um breitbeiniges Gepose oder Indie-Style-Klischees. Yo La Tengo wirken so normal und uncool wie ihr Publikum, aber auf der Bühne passiert seit 25 Jahren etwas, das man tatsächlich als so etwas wie ‚Magie‘ bezeichnen könnte. Da macht es auch nichts, wenn Giorgia ihren Gesangspart zu My Little Corner Of The World nicht richtig drauf hat – es wird einfach pfeifend ausgeholfen. Nach zwei Stunden und mehreren Zugaben wird der Kreis zum Ursprung der Bandgeschichte mit Andalucia geschlossen: Den Song von Ex-Velvet-Underground-Legende John Cale coverten Yo La Tengo bereits 1990 auf ihrem Fakebook-Album.

Foto: myspace.com/yolatengo

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