Yeasayer – Odd Blood

von Benjamin am 1. Februar 2010

in Musik!

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Es gab einen Haufen 80er-Pop-Vergleiche in der Musikjournalie in den letzten Jahren, zu den verschiedensten Bands. Bei manchen dieser Vergleiche fragte man sich wirklich, ob der Rezensent auch nur eine Platte oder Single aus der ersten Hälfte der 80er Jahre gehört hatte. Am ehesten traf der Vergleich wohl doch auf das erste Album von Zoot Woman zu. Mit dem Song „Madder Red“ haben Yeasayer jetzt auf ihrem neuen Album Odd Blood aber definitiv den Song abgeliefert, der – ganz besonders von der Stimme her – wie aus den Achtzigern stammt. Bei „Madder Red“ fühlt man sich so dermaßen angenehm an Tears For Fears oder Yazoo erinnert, jede Popper/Punker-Dichotomie in wohlklingende Indietät auflösend. Und das ist bei weitem nicht das einzige Kompliment was man Yeasayer machen kann. Auf diesem Album fällt einem auf, wie hektisch bei anderen Bands Songwriting betrieben wird. Hier gibt es keine uninspirierte Aneinanderreihung abgefahrener (weil vergessener) Synthie-Sounds, hier dient jeder Teil dem Song oder weiter übergreifend dem Album. Yeasayers Sound ist wie verpoppter Indie-Rock, wie Indie-Kids, die die Gitarren und Drums und Bassgitarren liebgewonnen haben, aber kein albernes Kaputtmachspiel mitspielen wollen. Hört man zwischendurch mal ein bisschen mehr Mainstream-Radio dann denkt man irgendwann, eingesponnen in das Spinnennetz dieser perfiden Einlullungsstrategie, dass der dort gespielte Gitarrenpop – im allerbesten Fall The Killers – schon das Höchste der Gefühle sei. Weit gefehlt, wenn man Odd Blood hört. Auf Odd Blood zerfließen die Grenzen zwischen dem, was in den 80er Jahren Pop Ikonen wie Tears For Fears oder Duran Duran geschaffen hat und dem, was Indie damit machen wollte – nämlich zerstören – zusammen. Es gibt sogar einen wunderbar versteckten und liebst genialen Michael Jackson Moment, am Ende von „O.N.E.“ Wie wunderbar wichtig diese Verknüpfungen von Indie und Pop sind, wo doch die meisten Bands sich nicht so richtig trauen poppig zu klingen. Dabei ist es von einer Indie-Band auch gar nicht möglich den normalen Radio-Mainstream-Pop zu machen. Das ist doch ganz einfach: da steht ja eben kein Produzent von einem Major-Label dahinter. Trotzdem könnte der Sound weiter ein bisschen unaufgeräumter sein, mehr so wie auf dem Vorgängeralbum All Hour Cymbals. Own Blood klingt dahingegen schon sehr aufgeräumt und clean. Und wer mir jetzt auch noch die Antwort auf das Tagesrätsel gibt, bekommt einen Preis: Einen Moment lang klingen Yeasayer wie Run DMC um dann in den Sound der Dexy‘s Midnight Runners zu verfallen.

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