YACHT – See Mystery Lights

von Pynchon am 2. Oktober 2009

in Musik!

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Yacht geben sich dem mysteriösen Pressetext nach zu urteilen schon einmal einigermaßen rätselhaft. Keine Band im herkömmlichen Sinne, eher ein zweiköpfiges Genre- und Media-Lebensprojekt, das seine Power Jams in heiliges Wasser taucht und in neue Mantras zurückführt (so der Text). Ach ja, klar.

Jona Bechtold und Claire L. Evans kommen zumindest aus Portland in Oregon und sind unter anderem schon mal mit Vampire Weekend in Finnland aufgetreten – soviel zur Info für die Musik-Enzyklopädisten. Aber was ist mit der Musik?

Die ist, wie in den ersten Songs rasch klar wird, in etwa so elektronisch ausgetüftelt und versponnen, wie man es hatte erwarten können. Eine Menge stampfende Beats, aber weniger für den gängigen Tanzschuppen geeignet als für eine Kunstausstellung, auf der abstrakte Kunst mit realen Psychopharmaka gemixt werden. „The Afterlife“ ist eine schräge, melodische Pop-Nummer, verdelt von Claire Evans hübschem Gesang, der unprätentiös aus einiger Erfahrung herüber hallt, als wolle sie sich nicht gegenüber den loopigen Beats aufdrängen.

Loopige Beats? Die Musik färbt ab, und das ist schonmal positiv zu vermerken. Die Geräuschexperimente im nächsten Stück erinnern mich sehr an Björks „Medulla“, in dem Stimmakrobaten sämtliche Instrumente überflüssig machen. Im Gegensatz zur (Vorsicht, Phrase!) „Island-Elfe“ klingen Yacht jedoch etwas dynamischer und abgedreht-optmistischer. Also kein unterlegter Weltschmerz, eher in die Neuzeit transferierte Psychedelic-Happening

Mit einer gewissen Lautstärke gehört entwickelt das zunächst etwas sperrige „It´s Boring“ eine absolut faszinierende, vereinnahmende Kraft, der man sich schwer entziehen kann – aber warum auch, Yacht klingen in ihrer Experimentierfreudigkeit nicht einfach nur verdreht, sondern wirklich begabt. „You can live anywhere you want“, wiederholt das mehrstimmige Mantra, and the beat goes on.

Da ich auf Dauer wohl doch unter einer Überdosis Disco-Beats delirieren würde, bin ich für die kleinen, feinen Ausflüge in den Pop wie in „Psychic City“ sehr dankbar. Zwischendurch gibt es dann auch zwei oder drei Songs, die ich mit der emotionalen Anteilnahme einer Vernissage an mir vorbeidriften lasse, nicht abgeneigt, aber auch nicht unbedingt ergriffen.

Was wiederum dem positiven Gesamteindruck und meiner Freude an Yachts erfrischend innovativer Sound-Verspieltheit keinen Abbruch tut.

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