World Trade Center

von Sterereo am 4. Oktober 2006

in Film ab!

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Wer hinter den Anschlägen vom 11. September steckt, da sind sich George Bush und Michael Moore uneinig. Dass aber 2.973 Menschen an diesem Tag ihr Leben lassen mussten, ist hingegen unumstritten. Lediglich 20 Verschüttete konnten damals aus den Trümmern gezogen werden, die Polizisten John McLoughlin (Nicolas Cage) und Will Jimeno (Michael Peña) sind Nummer 18 und 19.

Oliver Stone (Platoon) führt in dem im September in deutsche Kinos kommenden Blockbuster „World Trade Center“ Regie und dafür musste er schon lange vor dem Kinostart einige Prügel aus den amerikanischen Medien einstecken. Nicht nur dass Stone mit seinen letzten Dokumentationen über Fidel Castro schon unangenehm kommunistisch aufgefallen ist, vielen sagen auch der Film käme zu früh, die Erinnerungen vom 11. September seien zu frisch und niemand wolle so etwas jetzt schon sehen. Doch was der gemeine Amerikaner zu sehen bekommen, ist jedoch weder politisch noch blutig – ein sehr kluger Schachzug vom Altmeister. Der Einschlag selbst wird nicht gezeigt und auch nur der Bass aus der Dolby-Anlage zeugt vom Zusammensturz der Gebäude. Danach fängt der Überlebenskampf von Sgt. McLoughlin und Lt. Jimeno an. Hoffnungslos eingeklemmt unter Trümmern wird das Gespräch über Fernsehserien, Familie und Jesus für die beiden zum Lebensretter. Erst der auf Eigeninitiative angereiste Ex-Marine David W. Karnes (Michael Shannon) rettet die beiden Polizisten nach 12 Stunden aus ihrer ganz persönlichen Hölle. Obwohl beide ansprechbar waren nach der Rettungsaktion brauchte es mehrere Monate Reha, bis sie wieder laufen konnten. Zum Glück sind sie genesen genug um am Drehort für Authentizität zu sorgen. Was nicht anderes bedeutet, dass alles was ihr im Film zu sehen bekommt so auch geschehen ist. Jesus ist Will Jemeno im Traum erschienen und die Waffe ist losgegangen und verfehlte ihn nur um Haaresbreite und, ja, der Ex-Marine ist aus reinem Pflichtbewusstsein angereist.

Nach dem Film findet der Zuschauer sich fünf Jahre nach dem Desaster von Emotionen überwältigt. Die Frage der Kritiker sollte jetzt eine ganz andere sein: Wieso ist erst jetzt ein Film über die persönlichen Schicksale vom 11. September erschienen? Und auch wer über-patriotisches Gehabe vermutet wird enttäuscht, kein God-Bless-America, nicht einmal die Fahne wird geschwenkt, es geht wirklich nur um die Polizisten.

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1 otic Oktober 5, 2006 um 11:09 Uhr

Oliver Stone ist ja nicht gerade für seinen unkritischen Umgang mit dem Selbstverständnis Amerikas bekannt, daher hätte es mich sehr enttäuscht, einen Stars & Stripes-Overkill präsentiert zu bekommen.

Die Frage, ob ein Film über die persönlichen Schicksale real existierender Personen zu früh, oder zu spät in die Kinos kommt, sollte eigentlich von den Personen selbst (bzw. deren Hinterbliebenen) beantwortet werden (dürfen).

Mich haben, unerwarteter Weise, bereits die Trailer tief berührt. Mal sehen, welche Wirkung der komplette Film haben wird.

2 Sterereo Oktober 5, 2006 um 12:24 Uhr

Du hast Recht, ob der Film zu früh oder zu spät kommt liegt in der Entscheidung der persönlich Betroffenen. Aber haben die Fernsehbilder uns nicht alle eine ganz eigene Geschichte mit Emotionen zu diesem Tag beschert?

Ich bin sehr froh, dass die beiden Polizisten sich dazu entschieden haben ihre packenden Erlebnisse zu teilen. Mit den Erkenntnissen der heutigen Zeit einen so neutralen Film zu drehen, ist respektabel.

Der Film ist definitv sehr rührend, gerade dann, wenn die beiden Verschütteten wieder zu Tage getragen werden.

3 otic Oktober 5, 2006 um 15:33 Uhr

Das Plakat sieht übrigens richtig gut aus.

Was habt ihr denn so 9/11/01 gemacht?

Ich war abends auf’m Sigue Sigue Sputnik-Konzert, im Ernst jetzt.

4 Honk Oktober 9, 2006 um 13:52 Uhr

Ich weiß noch, dass ich so um die Mittagszeit rum,
von der Schule nach Hause gekommen bin.
Dann hab ich den Fernseher eingeschaltet und
direkt die Bilder vom brennendem Turm gesehen.
Hatt bestimmt eine Stunde gedauert bis ich gecheckt
hab, dass das wirklich passiert.
In meiner Erinnerung kommt mir der Tag total
surrealistisch vor, so als wär ich selbst Teil eines
Kinofilms gewesen.

5 Hififi Oktober 27, 2006 um 13:40 Uhr

Bleibt wohl zu konstatieren: Oliver Stone hat seinen Zenit bereits deutlich überschritten. „Alexander“ und dieser dusselige Football-Film haben es ja bereits angedeutet.
Ich war gerade im Elektro-Marktkauf als die Türme eingestürzt sind. Abends war ich dann im Dome und da war die einhellige Meinung, dass es zwar nicht sein darf, es aber zumindest die richtige Nation getroffen hat.
Ich war ein Jahr später an Ground Zero und es war immer noch ein riesiger Krater zu sehen.

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