Working For A Nuclear Free City – Steinbruch Duisburg, 16.02.11

von am 18. Februar 2011

in Feierlichkeiten

Post image for Working For A Nuclear Free City – Steinbruch Duisburg, 16.02.11

Auch wenn man als langjähriger Musikhörer und Konzertgänger mittlerweile schon häufiger das Gefühl hatte, so manche Trends und Marktbewegungen nicht mal mehr nur ansatzweise nachvollziehen zu können, ist dieser Konzertbericht mal wieder ein Dokument aus einer mittelschweren Fassungslosigkeit heraus. Working For A Nuclear Free City gehören zu den Künstlern, die seit Jahren einfach immer wieder durch alle Netze zu rutschen. Bis auf ein paar Fans und Insider werden die Jungs aus dem Umfeld Manchesters seit ihrem Debüt 2006 so gut wie ignoriert. Und das obwohl schon damals vieles darauf hindeutete, dass die Band „the next big thing“ werden könnten: Ein grandioser Mix aus Manchester Rave, Postrock und Indiepop, der sich zwar durchaus an etablierte (und vergangene) Größen orientierte, aber zusammengenommen tolle Songs zu bieten hatte, dargeboten von einer angenehm unprätentiösen Band, die trotz der Coolness ihrer Sounds nicht ständig darauf hinweisen mussten, wie geil sie doch sind. Vielleicht ein Fehler? Hoffentlich nicht.

Es folgte „Businessmen & Ghosts“, das 2007 noch einmal zusammenfasste, das WFANFC zum einen keine Kompromisse machen wollten, und zum anderen das unwiderstehliche Talent haben, tanzbare Musik mit ambitionierten und anspruchsvollen Klanglandschaften zu kombinieren: Stone Roses, New Order, Mogwai, The Chemical Brothers, Kasabian, Primal Scream, Death In Vegas, Can, Bowie und alles, was von 1965 bis heute an Psychedelia aufgeboten wurde.

Vielleicht bleibt es der ewige Fluch der Band, diesen hochkomplexen Stilmix irgendwie in Albumformate bringen zu wollen. Wie der Vorgänger, war auch „Jojo Burger Tempest“ (hierzulande nur als Import zu bekommen) ein vielschichtiger Brocken aus Bits & Pieces, mit langen instrumentalen Passagen, hakenschlagenden Elektro-Postrock-Epen, Ambientstudien, aber auch wieder mit echten Hits. Für den Indie-Nerd sind WFANFC wahrscheinlich zu wenig verkopft, reguläre Hörer von Pop-Kurzformaten werden durch die schiere Masse an Einflüssen und –fällen erst mal erschlagen. Daher schon mal an dieser Stelle ein Aufruf an alle Musikhörer, die mit den oben genannten Interpreten etwas anfangen können: Hört Working For A Nuclear Free City! Es lohnt sich.

Der Auftritt im Duisburger Steinbruch fügt sich dann auch nahtlos in die bisherige Bandgeschichte ein. 20 bis 30 Gäste haben sich eingefunden, von denen viele wohl auch wegen des eher unoriginellen Supports Future Fluxus gekommen sind. WFANFC beginnen ihr Set mit ein paar neueren Songs vom letzten Album und setzen trotz technischer Schwierigkeiten die Marke extrem hoch. War zunächst zu befürchten, dass die Band das detaillierte Klein-klein ihrer Platten nicht angemessen auf die Bühne bringen könnte, verflüchtigt sich diese Sorge schon beim ersten Song „Do A Stunt“, bei dem in komprimierter Form bereits alles dargeboten wird, was die Band auszeichnet: Unwiderstehliche Popharmonien, skurrile Breaks und Wendungen, aberwitzige Schlagzeughaken und die perfekte Kombination aus Elektronik und Gitarren. Hoch anzurechnen ist der Band, dass sie nicht einfach ihren Konservensound imitieren. Hier spielt eine Band, und genauso hört es sich auch an. Es folgt eine 50-minütige Achterbahnfahrt aus alten und neuen Songs wie „Alphaville“ „Quiet Place“ und einem mitreißend lauten „Asleep At The Wheel“. Dabei erscheint es geradezu unwirklich, wie schüchtern und zurückhaltend die Band auf der Bühne agiert. Es gibt kein Gepose, keine Visuals, nur die Musik. Und die ist und bleibt umwerfend.

Anschließend sitzt die Band im Vorraum, nicht damit rechnend, dass jemand vielleicht nach Merchandise-Artikeln fragen könnte. Auf die Frage, wie sie sich erklären, dass nur so wenig Leute zu den Shows kämen, wissen sie auch keine Antwort. Selbst bei ihrem Gig in Paris waren nur 15 zahlende Gäste. Dann schwärmen sie von ihrem Auftritt beim legendären South-By-Southwest-Festival, bei dem sie vor 700 Leuten spielen durften. Sie scheinen nicht frustriert zu sein – im Gegenteil: Hier sind Idealisten am Werk, die alles mitnehmen, was geht. Phil Kay kündigt an, bald wiederkommen zu wollen. Wir drücken die Daumen, dass dann ein paar mehr Leute dabei sind. Anschließend im Auto bleibt ein etwas ungutes Gefühl. Man kennt den Spruch, dass in einer gerechten Welt einiges anders laufen würde. Für Working For A Nuclear Free City wurde dieser Satz erfunden.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: