William E. – This Is A Record By…

von am 26. August 2011

in Musik!

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Hinter dem Pseudonym William E. verbirgt sich kein Unbekannter: Alexander Gleich hat bereits mehrfach den Weg in die Musik gesucht. Bandgefüge wie ce la’dor und Perfect Green scheinen mittlerweile endgültig Geschichte zu sein. Bereits beim letzten Projekt Polar Transmission zeichnete sich ab, dass Gleich besonders im Alleingang seine ganz eigene Soundsprache gefunden hat, um sich dem Publikum mitzuteilen. Jenseits von Singer/Songwriter- oder gar Rock’n’Roll-Klischees wusste er zu berühren, ohne auf den großen Effekt zu setzen. Allerdings besaßen seine Songs stets eine konzeptionelle Tiefe, die auch in einer größer angelegten Produktion eine gute Figur gemacht hätten. Nach der fragmentarisch-intimen Werkschau „Tomorrow Would Be Fine“ hätte demnach auch ein geschliffeneres Werk folgen können, mit dem die Grenze zwischen Demo und echtem Album endgültig durchbrochen wird. Aber Gleich stapelt weiter tief. Schon die Ausstattung von „This Is A Record…“ könnte minimalistischer nicht sein. Die Buchstaben ‚WE‘ deuten lediglich an, dass hier ein weiteres Stück Musik aufgenommen wurde. Alles andere liegt beim Hörer. Gut so, wenn auch alles andere als massenkompatibel und extrovertiert. Denn auch hier braucht es vom Hörer Zeit und Ruhe, um sich auf die Songs einlassen zu können. Hier wäre vielleicht ein sinnstiftender Kontext hilfreich gewesen, der die einzelnen Stücke miteinander verknüpft, und sei es jeweils nur ein kurzer Kommentar. In seinem Variantenreichtum, aber auch durch den unvollendet klingenden Sound erinnert „This Is A Record…“ nämlich an Pete Townshends „Scoop“-Trilogie, in der der Who-Gitarrist Demos, Klangtüfteleien und alternative Versionen seiner Songs zusammenfasst und etwas zur jeweiligen Entstehungsgeschichte erzählt.

Aber auch ohne weitere Erläuterungen, vielleicht auch gerade deswegen, erzeugt die Platte eine Anziehungskraft, die einen, hat man sich erst einmal an den skizzenhaften Sound gewöhnt, auf eine introspektive Reise mitnimmt. Vom Seventies-Rock-Intro über den mit beatlelesken Gitarren-Ornamenten durchsetzte Indiepop-Song „Somewhere On Tapes“ über die tieftraurige Mark-Hollis-Meditation „Insight“ bis zum wunderschönen „A Whisper“, das in unter zwei Minuten und mit einfachsten Mitteln eine melancholische Ausdruckskraft entwickelt, die andere Künstler mit weit mehr Aufwand nicht annähernd erreichen. Zwischendurch dann immer wieder unerwartete Obskuritäten wie das hallende Surf-Twang-Stück „The Copyist Defeats Them All“, die an Paul Weller erinnernde, kraftvolle Folkballade „The River“ oder der Minimal-Funk des Titelstücks. Die Schlichtheit und Unaufdringlichkeit der Songs verlangt vom Hörer wieder einiges an Aufmerksamkeit, die sich aber auf jeden Fall lohnt. Für die nächste Platte wünschen wir uns dennoch etwas mehr Willen, das Rohmaterial noch ein bisschen mehr glänzen zu lassen und somit den Heimstudio-Beigeschmack endgültig abzuwerfen. Dafür ist lediglich ein Hauch Politur notwendig. Alles andere ist mehr als reichlich vorhanden.

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 LolaPalooza August 26, 2011 um 18:37 Uhr

„A Whisper“ auf Repeat.

2 Sterereo August 27, 2011 um 13:59 Uhr

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