William E. – Looking At Rorschachs

von am 22. Februar 2012

in Musik!

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Einer flog – jetzt endgültig – übers Kuckucksnest! Künstlich-verkopfter Elektropop, repetitive Akkordschleifen, ausufernde Songstrukturen, düstere Klanglandschaften: Einfacher hat es sich Alexander Gleich alias William E. nicht gemacht. Alles ist vielfältiger und undurchschaubarer denn je. Die 14 Stücke klingen wie die Quersumme aus Gleichs bisherigem Schaffen. Die Farbverläufe zwischen den Songs sind so messerscharf und kontrastreich, dass man nach dem ersten Durchlauf zunächst einmal glaubt, mehrere Platten im Random-Modus durcheinander gehört zu haben. Harmonien, Stilrichtungen und Stimmungen wechseln sich so schnell ab, dass das Album, oder sogar einzelne Songs fragmentartig aneinandergereiht scheinen. Bestes Beispiel dafür ist das Eingangsstück „A King’s Neurosis“, das als hallendes Shoegaze-Drama beginnt, innerhalb von wenigen Minuten mehrfach in Stopp-And-Go-Manier ins Leere läuft, um dann unter völlig anderen Vorzeichen wieder aufgenommen zu werden.

Verbindungsstücke sind die schnörkel- und zum Teil auch tonlosen Vocals – häufig mehr gesprochen als gesungen. Gleich verbindet die kauzig-schräge Verpopptheit von Bands wie The Chills mit einer ironischen, manchmal geradezu selbstdestruktiven Verweigerungshaltung. Seine Songs dürfen selten auf einer geradeauslaufenden Soundschiene ins Ziel einfahren. In dieser Verstückwerkung ähnelt „Looking At Rorschachs“ den Quasi-Alleingängen Dan Treacys, der sich mit den TV Personalities permanent auf einem Drahtseil zwischen größenwahnsinniger Anti-Haltung und Popgenius befunden hat. Merkwürdig emotions- und teilnahmslos wie ein nervenbetäubter Insasse einer Irrenanstalt, sitzt William E. in seiner Isolationszelle, macht sich Gedanken über die Außenwelt und murmelt dabei leise vor sich hin. Wenn die Wirkung der Medikation nachlässt, ist die musikalische Strahlkraft aber umso unmittelbarer.

Soundtechnisch hat sich einiges getan. „Looking At Rorschachs“ klingt nicht mehr so stark nach Heimproduktion wie bisher. Es ist immer noch ein DIY-Rest im Klang enthalten, der quicklebendigen Popsongs wie „Seafood“ gelegentlich den Schwung zu nehmen droht. Ansonsten trägt er aber eher zum Lo-Fi-Charme bei. Gewollt oder nicht. Auch beim Rock-Rausschmeißer „Words Spilled Out“ hätte der Stiefel für den gepflegten Tritt in den Arsch noch ein paar Zentimeter mehr Profil vertragen können. Wie schon beim Vorgängeralbum gibt es auch auf „Looking At Rorschachs“ ein paar Momente, in dem Gleich der Simplizität des perfekten Moments gefährlich nahe kommt. Besonders „That Day In The Park“ steht für einen dieser Augenblicke, die immer wieder aufblitzen, und in denen anscheinend ohne ästhetische Anstrengung eine intime Emotionalität kreiert wird, die schlicht mitten ins Herz trifft. Selten wirkte isolierte Eigenbrötelei so erhaben wie hier.

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