Wildbirds & Peacedrums – The Snake

von Hififi am 2. Juni 2009

in Musik!

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Zu beschwörenden Klängen leitet „Island“ das neue Album von Wildbirds & Peacedrums ein, noch gänzlich ohne Percussion und in knappen zwei Minuten dreiunddreißig. Danach beginnt postwendend der ganz normale Wahnsinn, mit dem sich Miriam Wallentin und Andreas Werliin so gerne umgeben. Als Paradebeispiel sei das gleich an zweiter Stelle folgende „There Is No Light“ angeführt, dass mit knackigen zwei Minuten sechsundvierzig nur unwesentlich länger geraten ist, als der vorangegangene Song. Wenig friedvolle Tom Toms prügeln sich in den Vordergrund, werden nur durch gelegentliche Beckenschläge unterbrochen und Frau Wallentin hält eine Art Gesangsübung ab, stimmlich irgendwo zwischen Beth Ditto von The Gossip und Kate Bush. Ein Paradebeispiel zeitgenössischer, experimenteller Musik, die im Jazz genauso zuhause ist, wie im Indie, sozusagen Indie im ursprünglichen Sinn. Bei diesem Prinzip, der Selbstreduktion auf Percussion-Instrumente und Gesang bleibt es über Albumlänge und was zuerst ein wenig langweilig erscheinen mag, wird durch originelles Songwriting wiederlegt, solange der Hörer es ein wenig skurril mag, im Sinne von außerirdisch, denn so etwas bekommt man nicht alle Tage zu hören. Der Gesang ist über alle Maßen facettenreich, einem ungezähmten Vogel gleich wird improvisiert, in einem Song Beth Ditto im anderen Regina Spektor und manchmal von einer Sekunde auf die andere in die Kopfstimme verfallend, wunderbare Klänge verströmend („So Soft So Pink“), begeistert Wallentin mit ihrem Organ. Ob nun Werliins Rhythmus-Arbeit im eigentlichen Sinne mit der gesanglichen Performance harmoniert sei einmal dahingestellt, es funktioniert halt, auf eine merkwürdige Art und Weise kommt zusammen, was nicht zusammen gehört. (Gegensätze ziehen sich an), gut das es für jeden Anlass ein mehr oder weniger passendes Sprichwort zu geben scheint. Wie auf Kommando gibt der Refrain von „My Heart“ Aufschluss über die Wichtigkeit der Werliinschen Drum-Künste, wenn Wallentin mit Innbrunst „you see I’m lost without your rhythm“ intoniert. Ihre Stimme erinnert dieses Mal stellenweise an Joanna Newsom, wenn sie in die hohen Lagen kippt, eine gesangliche Meisterleistung, die nicht mehr alleine durch Talent zu erklären ist und viel mehr Mut erfordert, als sich allgemein vermuten lassen würde. „My Heart“ beschließt „The Snake“ und ist dabei der unangefochtene – und genau genommen auch einzige – Hit, den dieses herrlich unverbrauchte Album zu bieten hat. Von Raffinesse soll hier gar nicht mehr die Rede sein, hier braucht es Superlative um zu beschreiben, was die beiden Schweden hier vollbracht haben. Vielleicht sage ich einfach nur noch eins: John Lennon und Yoko Ono.

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