Videoclub – We Could Set Fire

von am 1. Juli 2008

in Musik!

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„Deutscher Indie“. Heute immer noch eher ein Begriff, dem vielerorts erst einmal mit Skepsis begegnet wird. Da gibt es dann ein paar bekanntere Künstler wie Get Well Soon, Slut oder Tocotronic und viele lokale Szenen, wie in Hamburg um ein gewisses Grand Hotel, in Berlin, in München, oder auch in Münster. In Münster? Ja, in Münster entwickelt sich heimlich still und leise eine beschauliche Indieszene, die zwar nur lokal bekannt ist, aber dennoch voller Potential steckt. Beleg dafür ist das sympathische Quartett von „Videoclub“, das uns nach dem Konzert im Vorprogramm der Pencil Toes zu einem Gespräch in die Katakomben des AMP einließ.

Videoclub, das sind Sänger Elias, Gitarrist Jurek, Drummer Ramon und Bassist Sebastian, die sich nach vielen eher halbherzig angegangenen Bandprojekten vorgenommen haben das Thema Band ernster anzugehen und sich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Diese Herangehensweise wurde dann gleich in ein Bandmotto gefasst: „Je länger man schläft, desto müder wird man.“ Das nächste Ziel nun „ein Album aufnehmen, da sind wir auch ziemlich zuversichtlich. Wir haben da auch schon Kontakt, ist allerdings noch nichts spruchreif“, so Jurek. Spannend zu sehen, wie eine junge Band auch selbst den Hintern hoch kriegt, um sich um ein Label zu bemühen. Witzig die damit verbundenen Anekdoten, Sebastian erzählt: „Der Jurek hat uns allen Nummern von Labels rausgesucht, die wir jetzt kontaktieren sollen, ich hab da gestern in Berlin bei einem Label angerufen und hatte den Daniel Spindler, Bassist von Delbo am Apparat und dachte erstmal so, äh, wow, das ist jetzt hier einer der besten Bassisten in Deutschland und äh, na ja, da wusste ich nicht mehr so ganz, was ich jetzt sagen soll.“ Dass viele Labels so ihre eigene Einstellung haben bewies auch Thees Ulmann, als Jurek beim Grand Hotel van Cleef anrief „der hat uns geraten, wir sollten Deutsch singen und uns Elias nennen, dann hätten wir vielleicht eine Chance“, so Jurek.

Das es die Jungs neben einer (für knapp 1 Jahr Bandgeschichte) enormen Live-Präsenz auch schon ohne Label verstehen ihre Songs gekonnt auf Platte einzuspielen haben sie mit ihrer EP „We Could Set Fire“ bewiesen. Hierauf enthalten 5 Songs und 1 Remix, die tanzbaren Indie mit Math-Rock verbinden, besonders auffällig immer Elias’ Englisch- / Spanischsprachiger Gesang, was der EP eine überraschende, frische Note verleiht. Besonders hervorzuheben hierbei die Songs „Circo“ und „Elefantes“, die auch live zu den größten Krachern zählen. Live zeigt sich auch, dass der Sound von Videoclub einer steten Weiterentwicklung unterworfen ist. Klang die EP noch stark nach „Portugal.The Man“, die Elias auch zu seinen größten Einflüssen zählt, klingen die Songs – nach Meinung von Elias durch extremen Konsum des Foals Albums – inzwischen nicht mehr nur geradeaus, sondern Videoclub trauen sich nun auch mal nach links oder rechts. Will heißen, neben Indie- / und Mathrock gibt es nun auch noch vertrackte Synthie- und Bassspielereien, was den Stücken eine frischere, noch stärker tanzbare Note verleiht, etwas in diese Richtung gingen auch schon der auf der EP enthaltene Track „We don’t Need Our Shoes to Dance“ oder der Remix von „Circo“. „Für uns ist es am Größten, so live zu spielen“, erläutert Jurek, „deshalb spielen wir auch in Kürze einen Showcase in Berlin, bei dem wir uns geladenen Labels präsentieren. Wir arbeiten im Moment auch an einem Albumkonzept, das finden wir auch schon sehr homogen und freuen uns, dass einmal auf ner CD zu sehen“. Das die Jungs sich da auch nichts vormachen, sieht man auch daran, dass sie alle neben dem Studium Jobs verfolgen, um über die Runden zu kommen, „die Jungs von Muff Potter sind bei Universal und müssen alle nebenbei noch jobben, deshalb ist das auch wichtig“, erklärt Jurek.

Bleibt also fest zu halten, Deutscher / Münsteraner Indie ist gerade mit Bands wie Videoclub auf einem guten Weg.

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