Videoclub – Interview

von am 1. Juli 2008

in Interviews

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Die vier Jungs von Videoclub, eine der erfrischendsten Newcomer-Bands dieses Sommers standen uns nach einem energiegeladenen Set im Vorprogramm der Pencil Toes Rede und Antwort und ließen uns ein wenig in das Seelenleben einer jungen Band, die noch in den Startlöchern steckt blicken.

Hi, vielen Dank, dass ihr euch ein wenig Zeit nehmt. Tolles Set übrigens auch. Vielleicht mag sich jeder kurz mal vorstellen:

Sebastian: Ich bin Sebastian, ich spiel Bass.

Jurek: Mein Name ist Jurek, Gitarre und ich trete ganz viele Effekte.

Ramón: Ich bin Ramón und ich spiel Schlagzeug.

Elias: Und ich bin Elias, singe, spiel Keyboard auch und Gitarre, mittlerweile.

Mittlerweile auch, seit wann?

Elias: Seit vier Wochen jetzt.

Vier Wochen?

Elias: Äh äh, ja in ner Band! Wurde jetzt quasi so Zusatzelement.

Ich hab gehört, ihr seid mit Ghost of Tom Joad befreundet?

Ramón: Ja, da muss ich jetzt antworten. Ja, ich kenn die drei Jungs von früher, von meiner Schulzeit. Der Schlagzeuger hat mir mal Unterricht gegeben, 1999 war das und den Bassisten Jens kenn ich schon ewig. Und Henrik, wir hatten früher auch schon ne Band, aus Lüdinghausen kamen wir, ist auch meine Geburtsstadt. Und ich hab auch schon mit dem Bassisten in ner Band gespielt.

Jurek: Mittlerweile kennen wir die alle auch ganz gut, wir haben heute vor dem Konzert mit Henrik auch noch rumgejammt, ein bisschen Quatsch gemacht und Red Bull getrunken, bei denen im Proberaum.

Sebastian: Sind halt unsere Proberaumnachbarn, wir üben Tür an Tür, da sind drei gute Bands aus Münster, also wir sind die gute Seite, wir haben jede Menge Metalbands und andere Scheißbands im Proberaumkomplex, deren Namen ich jetzt nicht sage lacht. Wir sind eben die gute Seite und haben Ghost of Tom Joad, Grand River, The Cedar bei uns und Muff Potter.

Seid ihr stark vernetzt mit anderen Münster-Bands?

Jurek: Ja, das beschränkt sich schon auf die genannten Bands, mit The Cedar, also Johannes Mayer haben wir auch zusammengearbeitet. Neon Sleep, das ist auch ein Kumpel von uns und wir überlegen da auch mit dem ein paar Songs aufzunehmen.

Sebastian: Der macht das super. Der hat auch ein Studio, hat uns auch mal live gesehen, in der Luna Bar, Gott hab sie selig und meinte mal in der Mensa zu mir, wäre cool, wenn wir mal ein paar Songs zusammen aufnehmen könnten.

Jurek: Wenn wir mit so vielen Samples arbeiten würden, wir würden wahrscheinlich völlig rauskommen und da freuen wir uns eben, da was zu lernen.

Woher kommt euer Ausspruch: „Je länger man schläft, desto müder wird man“?

Jurek: Wir wollten eben damit ausdrücken, in den Bands, die wir vorher hatten, war das zwar immer schön und nett, man hat sich gut verstanden und mit guten Freunden zusammen gespielt, aber man nicht so ein richtiges Ziel vor Augen und hat das nicht so ein Level weiter gebracht. Das war uns beim Videoclub von vornherein ganz wichtig, dass wir uns so kleinere Ziele stecken und uns ganz sukzessive dem annähern, was wir uns so vorstellen. Unsere nächsten Ziele wären dann ein Album aufzunehmen und viel mehr Auftritte zu spielen.

Ramón: Und das werden wir schaffen!

Jurek: Ja, da sind wir ganz optimistisch, oder ganz faschistisch und sagen einfach, dass das klappt.

Seid ihr da auch schon weiter?

Jurek: Joa, es gibt da ein paar Booking Agenturen, noch nichts spruchreifes, aber wir sind ziemlich optimistisch, dass sich da auch was ergibt.

Ramón: Wir machen auch ganz viel, also schlafen nicht, wir haben jetzt auch einen Showcase Gig organisiert.

Jurek: Spielen dann in Berlin vor Leuten, die sich das angucken wollen und da interessiert sind.

Sebastian: Der Jurek hat uns allen Nummern von Labels rausgesucht, die wir jetzt kontaktieren sollen, ich hab da gestern in Berlin bei einem Label angerufen und hatte den Daniel Spindler, Bassist von Delbo am Apparat und dachte erstmal so, äh, wow, das ist jetzt hier einer der besten Bassisten in Deutschland und äh, na ja, da wusste ich nicht mehr so ganz, was ich jetzt sagen soll. War eben so ein bisschen verlegen, muss ich schon sagen.

Ramón: Ja, wir telefonieren eben viel rum, aber eigentlich bei der ganzen Organisation, ist eben, dass wir am geilsten finden live zu spielen. Gerade war eben ein super Konzert, für uns alle, ja, so lange wir live spielen können ist das alles für uns so in trockenen Tüchern. So lang wir das machen können, ist finde ich alles super und das andere ist alles so Bonus. Notwendiger Bonus, der auch kommt.

Also so ein bisschen wie die Fanta 4, Album ist eigentlich nur Promo für die Tour?

Ramón: Ja, wenn sich einer dein Album kauft und dann da zu Hause sitzt und das hört, hast du nicht so direkt was davon, wenn jemand nach dem Konzert ankommt und sagt das war toll, dann ist das schon ein direkteres und schöneres Feedback, als wenn dann da jetzt einer ganz anonym ne CD kauft und dann ist da so ein Strich auf der Liste.

Jurek: Auf der anderen Seite, wir haben auch genügend Songs, wir arbeiten im Moment auch an einem Albumkonzept, das finden wir auch schon sehr homogen und freuen uns, dass einmal auf ner CD zu sehen. Da hat man dann was, das kann man sich anhören und auch später, wenn man dann Enkel hat, dann kann man da zu seinen Enkeln gehen und sagen, schau mal her Jurek jr. Also ich weiß nicht, Album wäre schon wichtig, aber live ist natürlich definitiv geil.

Jetzt mal eine Klischee-Frage, aber wieso nicht auch mal was einfaches: Wieso eigentlich Videoclub?

Jurek: Also, ich hab da mal ein Video gefunden. Gelächter Na gut, ich bleib dann mal bei der Wahrheit. Ist eigentlich ganz banal und langweilig. Die Idee hab ich nem Kumpel geklaut, der wollte ne Band gründen und ich war mit dem in ner Kneipe und haben da ein Schild gesehen „Videoclub 1984 e.V.“ und da meinte er, Mann, das wäre ein geiler Name für ne Band. Da dachte ich dann auch so, na, da hat er Recht. Dann haben wir, also Sebastian und ich, wir haben auch schon vor ziemlich langer Zeit zusammen Musik gemacht, waren auch die ganze Zeit auf der Suche nach Musikern und haben in ner Vorlesung gesessen und überlegt, welche Namen gut sind. The Hethiters hatten wir zum Beispiel.

Sebastian: Ja, wir studieren beide Kommunikationswissenschaften, da saßen wir in ner Vorlesung über untergegangene Kulturen und fanden dann Hethiters recht geil. Dann kam Jurek aber mit Videoclub 1984 und 1984 fand ich doof, also haben wir Videoclub genannt.

Jurek: War eben der Arbeitstitel und letztlich ist das auch nicht so wichtig, wie man das dann nennt. Dazu ist zu sagen, Thees Uhlmann findet den Namen scheiße. Wir sollten uns Elias nennen.

Ihr singt ja auch nicht deutsch, das kam dann bestimmt noch schlechter bei ihm an.

Jurek: Ja…

alle lachen

Warum eigentlich nicht?

Jurek: Öhm, ja, wir haben anfangs nach deutschsprachigen Leuten, die auch deutsch singen wollen gesucht, hatten auch ein paar da, aber im Endeffekt war das ziemlich katastrophal. Uns war auch bewusst, dass wenn wir deutsch singen wollen, dass die Texte dann auch was besonderes sein müssen und sehr durchdacht, wie bei Delbo oder Lichter. Die Entscheidung wurde uns dann aber auch letztlich abgenommen, dadurch, dass wir Elias kennen gelernt haben. Der stand dann irgendwann da vorm Cineplex und Ramón und ich haben uns so ganz langsam genähert und dachten dann, oh je, der Typ will jetzt für uns singen? Waren erst ein bisschen skeptisch und haben das dann einfach ausprobiert, also englischen und spanischen Gesang gemischt und fanden das auch interessant, weil es auch kaum Bands gibt, die das machen und ich find auch gerade die spanische Sprache hat auch einen schönen Rhythmus. Eignet sich sehr gut zum Singen und bringt da dann Temperament rein.

Ramón: Das Schlimme find ich ja auch an diesen deutschen Bands, die dann englisch singen, die haben dann diesen ganz schrecklichen German Accent und da ging’s dann darum einen Muttersprachler zu finden und da Elias ja Venezolaner ist und in den USA gelebt hat, hat er da eben den ganz interessanten Akzent.

Sebastian: Ja und das passte dann eben ganz gut zusammen, so diese Post Punk Uptempo Nummer eben mit englischem Gesang.

Also, die Richtung stand von vornherein fest?

Sebastian: Ja, diese Richtung war uns klar, also Jurek und mir und das einzige, was wir da Deutsch eben kannten, waren eben Fotos, die wir aber scheiße finden, also es hat sich nur unsere Sprache verändert, aber nicht das Konzept.

Seid ihr eigentlich als Band dann eher von euch zweien geführt, oder eine Basisdemokratie?

Ramón: Ne, ich bestimm das alles, schreibe die Songs und lass die anderen dann mal machen, ne also Spaß beiseite, wir kommen schon immer auf einen Nenner und wenns mit Bier ist.

Jurek: Ja, wir sind schon sehr Basisdemokratisch.

Ramón: Wir machen das auch schon sehr strukturiert, auch beim Song schreiben, da heißt es dann, findet ihr das so gut, Hand hoch, ok, dann spielen wir das so.

Elias: Ja, das ist schon ziemlich geil so, es gibt keinen, der alle Songs schreibt, sondern jeder bringt so sein Ding mit rein und dann sind sich auch alle einig.

Was beeinflusst euch da eigentlich im Moment so?

Elias: Ja, also bei mir war das Portugal The Man, oder Tokyo Police Club. Auf der Tour und in letzter Zeit, weiß gar nicht, ob ich das sagen kann, sonst schlagen mich die anderen wieder

Jurek: Jetzt sag schon, die Band mit F

Ach, Foals?

Elias: Ja genau, das Ding, was die da machen find ich schon sehr genial und ich finde auch, dass in letzter Zeit auch unsere Songs dadurch live ne ganz andere Dimension bekommen, weil wir versuchen da etwas mehr Beat rein zu bringen.

Jurek: Bei mir ist das auch ganz viel Wolf Parade im Moment, ich find das neue Album sehr genial.

Ja stimmt, wir finden das neue Album auch viel besser als das erste, auch wenn der größte Teil der Presse sagt, das sei nicht so.

Jurek: Das find ich auch momentan sehr gut und ganz wichtig auch Malajube, mit denen wir unseren ersten Gig im Gleis 22 gespielt haben. Die verbinden eben Pop mit auch Frickelelementen, was uns auch immer wichtiger wird, dass wir schon versuchen wollen, Art-rockig zu klingen, etwas experimenteller zu werden und aber den Pop nicht ganz aus dem Blick zu verlieren.

Eine Frage noch, so als Newcomer, kann man davon leben?

Jurek: Öh, nein! Wenn man zum Beispiel Muff Potter sieht, die sind bei Universal und alle bis auf Nagel noch Jobs haben. Ist glaub ich gerade in Deutschland schwer so als Newcomer, da gibt’s keine Förderung, weshalb ja auch Johannes von The Cedar nach Schweden geht.

Und was macht ihr da so als Jobs?

Sebastian: Ich bin Tellerwäscher. Fange dann aber bald beim WDR nen Job an, studier aber auch zu Ende.

Elias: Ich war bis heute Apple Verkäufer.

Gelächter

Elias: Ja nu, ich arbeite da viele Stunden die Woche und dann, ach egal…

Ramón: Ich bin witzigerweise auch Apple Verkäufer, im Konkurrenzladen zu Elias.

Jurek: Mein aktueller Job, also ich bin Hilfskraft und nach der Uni werd ich Lebemann, hol mir dann so einen kryptischen nichtssagenden englischen Jobtitel in einer namenlosen Firma.

Hab noch eine, wie war eigentlich euer Radiokonzert?

Sebastian: Oh ja, Radiokonzert war super.

Elias: Ja, war schnell.

War schnell?

Sebastian: Ja, wir sind da ziemlich durchgeprescht, seitdem sagen die Leute ständig, wir klingen wie At The Drive In, also Mischer sagen das sowieso immer gern. Also das Radiokonzert kam durch einen Zufall, da sollten eigentlich Slut ein Akkustikset im AMP spielen, aber die haben ein paar Tage vorher abgesagt, also die hatten keinen Bock oder waren angeblich pleite und konnten deshalb nicht anreisen. Dann halt eben Radio Q, uns, also mir gesagt, komm dann machen wir Radiokonzert mit euch, dann waren auch viele da, die Slut sehen wollten und haben sich gedacht ach komm, dann gucken wir eben den Videoclub. War eben interessant so NRW weit gesendet, war auch ein ganz schöner Abschluss für unsere Tour, also wir waren 8 Tage auf Tour und waren dann zurück in Münster und haben da so vor unseren Freunden gespielt, also war sehr entspannt.

Ok, vielen Dank euch noch mal für das Interview und feiert noch schön.

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Photos by aatsphotopraphy und Band

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