Vetiver – The Errant Charm

von am 30. Juli 2011

in Musik!

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Es gibt nicht viele Alben, die einen direkt in der ersten Minute packen und mit in eine andere Welt nehmen. „The Errant Charm“ löst ganz spontan und unaufgeregt einen ganzen Blumenstrauß an Wohlgefühlen aus, dass man die Platte am liebsten mit ins Bett nehmen und den ganzen Tag dort verbringen möchte. Mit der Stimme von Andy Cabic im Ohr kann es einfach keinen schöneren Platz geben als unter der Bettdecke. „It’s Beyond Me“ spinnt seine sphärischen Fäden, an deren Enden sanfte Gitarrenakkorde baumeln. Alles baut sich langsam auf und verschwindet wieder, um für den nächsten wunderbaren Song Platz zu machen. „Faint Praise“ klingt beispielsweise nach vertrauter Kindheitserinnerung und lässt einen schöner einschlafen als jede „Drei ???“-Folge. Völlig unsentimentaler, aber dennoch tief berührender Singer/Songwriter-Folk ist ja immer noch nicht an jeder Straßenecke zu finden. Erst recht nicht in derart schöne Songs verpackt. Vetiver kreieren dazu eine fantastische, geradezu magische Stimmung: Geräusche, sphärisches Wabern und der sparsame, lediglich unterstützende Einsatz von Elektronik schaffen ein Wasserbett aus Klängen, das durch sanfte Wellenbewegungen Alltags-Urlaubsstimmung auslöst. Dabei klingt „The Errant Charm“ angenehm altmodisch. Nichts klingt inszeniert oder auf Effekt getrimmt. Die Songs atmen einfach so den Geist der Songwriter-Geschichte. Das Spiel mit melancholischen Stimmungen erinnert an Robert Scott (dessen grandioses „Ends Run Together“ aus dem letzten Jahr hier ebenfalls noch als Tipp erwähnt sei), „Worse For Wear“ beginnt wie ein Pete-Townshend-Solosong aus den frühen Siebzigern und „Right Away“ klingt nach Mark Mark Oliver Everett minus Sarkasmus. „Wonder Why“ ist sommerhafte Glückseligkeit, aber ohne Bier, Würstchen und Ballermann. Eher wie ein Gang durch den Park oder an den Ufern eines Flusses, bei dem man sich einfach darüber freut, dass man genau da ist, wo man ist. Klingt hippiesk? Das ist es natürlich auch, aber diese zehn Songs sind einfach auch die besten Argumente für weltentrückte Versponnenheit, die in diesem Jahr zu hören sind. Und wer zum Teufel ist Devendra Banhart?

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Pynchon August 7, 2011 um 14:19 Uhr

Devendra Banhart ist mir als dem Gossip nicht abgeneigtem Menschen eigentlich nur als der Ex von Natalie Portman ein Begriff, aber im Nebensatz wurde immer mal erwähnt, dass der auch Musik macht.
„Can´t you tell“ von Vetiver ist ja übrigens der Ober-Ohrwurm!

2 otic August 7, 2011 um 20:32 Uhr

Ja, ne? Und dabei auch noch unglaublich tiefenentspannt.

Banhart war übrigens früher bei Vetiver involviert und hat die Band, wie du schon andeutest, weit überholt, wenn es um Medienpräsenz und Gossip geht.

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