Verlen – dto.

von Benjamin am 6. Februar 2009

in Musik!

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Die Entwicklung in der Musikwelt läuft nicht sukzessive ab; es wäre fatal zu glauben, Y folge unausweichlich auf X. Natürlich will man aber Entwicklungen genau so denken. Weil das dem ganzen Treiben einen Sinn gibt. Weil es Entwicklungen vorausschaubar macht. Man schaut in die Vergangenheit und sagt: Aha, die Kids mochten 1991 Grunge und Alternative-Rock. Dann geben wir ihnen jetzt mal dieses hier. Und das da. Aber sind das alle Kids gewesen? War irgendein erfolgreiches Genre zu irgendeiner Zeit wirklich einmal Antwort auf irgend etwas? Konnte man 1991 sagen: Nirvana sind Antwort auf dieses oder jenes? Und damit Antwort als ein Plus zu einem Minus meinen? Anders gesehen scheint die Masse an Veröffentlichungen nur noch wenig Sinn zu machen. Rezensenten, Plattenfirmen, A&R-Manager (gibt es die eigentlich noch?) müssen vorausschauende Aussagen treffen. Und schon immer standen ihnen dabei die Schweißperlen auf der Stirn. Denn über Nacht konnte das ganze Konstrukt kippen, es passiert etwas vollkommen anderes, und allem ist erst wieder im Rückblick ein Sinn zu verleihen. Dann zieht man nämlich wieder andere Elemente in seinen Schluss und macht die Gleichung wieder gleich. Was jetzt ist, kann nur aus vorherigem entstehen, ansonsten ist alles nur ein Wirrwarr und ein Chaos. Deswegen erübrigt sich auch die Frage, warum ein Album 2009 klingt wie es klingt. Die Frage kann nicht lauten: warum zum Himmel, gräbt eine Band Sounds und Songstrukturen aus, die gar nicht neu klingen? Oder anders: ich konnte in dem ganzen Album keinen einzigen neuen Ansatz erkennen. Stellt man sich diese Fragen nicht und begibt man sich nicht auf die Suche nach dem „Neuen“, wird das Rezensieren schwer. Was soll man dann schreiben? Verlen geben sich statisch, vielleicht ein bisschen stur auf ihrem dritten Album. Sie wollen so gar nicht neu sein. Allein deswegen ist ihr Album interessant. Wer bei Verlen den neuen Alternative-Rock oder Indie-Pop sucht, ist an der falschen Adresse. Sie verweigern sich konsequent einem neuen Ansatz, statt dessen wird mal mehr und mal weniger geschickt zitiert und neu zusammen gesetzt. Einige dieser Zusammensetzungen sind wohl keine bewussten Entscheidungen gewesen, so kommt ein Sänger sicherlich stimmlich irgendwo an seine Grenzen. Verlen sind Fortführer des Alternative-Rock zweiter Stunde, Placebo und Blackmail klingen als Vorbilder stark hindurch, erstere vor allem was den Gesang und die Spielart angeht, zweitere was die Härte betrifft. Auch wenn Verlen versuchen, sich der Vorhersehbarkeit zu entziehen, was manche Akkordfolgen und Breaks angeht, so kann man doch oft die Melodien beim ersten Hören im Lied schon mitsummen. Das drängt das Hören in den Hintergrund und man ist geneigt, nebenbei etwas anderes zu tun. Das Nebenbei-etwas-anderes-tun gehört allerdings zur Familie der Radio-Musik. Dazu passt dann die Produktion und das Mastering. Hier fügt sich das Eine in das Andere. Songwriting und Soundauswahl sind letztlich zu brav, auch wenn es gut tut, wieder richtig verzerrte Gitarren zu hören. Aber einen Unterschied im Song können die nicht mehr machen, das wird alles durchs Mastering glatt gebügelt. So kranken Verlen vielleicht am Gefallenwollen. Hier wird sich zu wenig getraut, hier ist zu wenig eigene Vision vertreten. Aber Verlen sind allein dadurch bemerkenswert, dass sie eben Erinnerungen an den Alternative-Rock Mitte der 90er Jahre hervor rufen. In den besten Momenten klingen sie nach Grunge-Rock. Damit machen sie sich im Moment im Prinzip uncool. Das ist mutig. Wenn sie es jetzt noch schaffen, den Klang ihrer Songs dahin zu bringen, wo die Ideen zu ihren Songs anfangen, dann kommen Lieder hervor, die es schaffen würden, die kurze Lebenszeit von Radiomusik zu überdauern.

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