Vampire Weekend – Gloria Köln, 4.11.2008

von Sterereo am 5. November 2008

in Feierlichkeiten

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Während die dicken Amerikaner Schlange stehen, um an einen vermutlich manipulierten Wahlcomputer in Florida den ersten nicht-bleichen Präsidenten zu wählen, fristen die New Yorker von Vampire Weekend am Election-Dienstag ein Exildarsein. Mit Gedanken und Shirt (natürlich Obama-Merchandise) in der Heimat, doch mit Herz und Spielfreude im Kölner Gloria.

Die Reise durch Raum und Zeit beginnt allerdings in Katalonien. Zwei Vorband-Spanier starten die wilden Kastagnetten-Samples und werden erstmal bestaunt wie bunt befiederte Papageie. Zusammen gewürfelt werden die wildesten Samba-, Rumba und was-weiß-ich-welche-Salsa-Einflüsse, bis alles abwechselnd nach afrikanischen Buschtrommeln oder brasilianischer, sicher nicht rheinischer(!), Karneval klingt. Neudeutsch Afrobeats, Tropicália und Dub. Dazu mischt Pablo Díaz-Reixa, alias El Guincho, eine Prise Rock ’n’ Roll, damit es auch brav in den Rahmen passt. Schon bald kreisen die ersten Hüften im Saal, olé!

Diese Anflüge von Weltmusik vereinen sie mit Vampire Weekend. Im grungigen Holzfäller-Chic betreten die vier Studenten an diese geschichtsträchtigen Abend den Saal. Umso feiner rausgeputzt haben sich die Grazien am Rande des Fotograbens. Fast schon kleiner Starkult, dabei feierte ihr großartiges Debüt-Album vor allem im englischsprachigen Nordatlantikraum Erfolge. Doch sobald „Mansard Roof“ aus der Schießbude gefeuert wird, fließt die Völkerverständigung. Die Ansagen aus der vierköpfigen Demokraten-Fraktion zielen auf den daumenreckenden Spitzenkandidaten, der Drummer Chris Tomsos T-Shirt ziert: „Lasst uns einen Regenbogen der positiven Energie nach Amerika schicken“, wenn’s hilft? Dem Publikum ist der Sinngehalt egal, es versteht nur Politikwandel und der kommt gut an. Auch der Tempowechsel sorgt für jede Menge Jubel und Reibung: „The second part of the show will make you a little schwitz“. Soviel ist sicher. „A-Punk“ wird dermaßen abgefeiert, dass auch Sänger Ezra Koenig kurz schmunzeln muss, als ihm im Tiefflug ein unidentifiziertes Kleidungsstück entgegenfliegt. Soviel Regenbogenenergie, dass beflügelt die Band neue Stücke zu spielen, die mit ihren treibenden Drumming schön in den zweiten Showteil passen und dankbar aufgenommen werden. Doch noch besteht die Diskographie nur aus dem Debüt, somit machen die New Yorker mit „Oxford Carma“ als Zugabe einen Punkt hinter das Konzert.

Der Abend ist zu Ende, in wenigen Stunden ist Obama Präsident. Und jetzt stehen die schwitzenden Kölner Schlange. Vor der Garderobe.

Fotos: Sterereo

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