Unbunny – Moon Food

von am 15. Mai 2010

in Musik!

Post image for Unbunny – Moon Food

Viel Spektakuläres gibt es über Jarid del Deo eigentlich nicht zu berichten: holpriger Start in die Welt des Musikmachens irgendwann in den Neunziger Jahren. Von da an hüpfte er wie ein Korken auf den wilden Binnengewässern fast aller US-Staaten, ging unter, tauchte wieder auf, schwamm wie ein Verrückter gegen die Strömung und ließ sich resigniert treiben. Andere Leute lassen sich irgendwann einmal nieder. Del Deo bleibt offenbar einfach nur irgendwo hängen, zuletzt irgendwo am Ufer des Golfs von Mexiko. Wie gesagt: Nicht unbedingt spektakulär, wäre da nicht seine Musik, die wunderbar unaufgeregt von seiner immerwährenden Rastlosigkeit berichtet. „Moon Food“ ist ein schlafloses Album. Nicht zum Feiern, nicht zum Entspannen – irgendwas dazwischen: eine Platte zum nachts wach liegen und nicht wissen, wie um Himmels willen man die ewigen Stunden bis zum nächsten Morgen alleine durchstehen soll. Welche musikalische Himmelsrichtungen sind für unmittelbare Reflexionen über die verschlungenen Pfade des eigenen Lebens besser geeignet als Country und Americana, aufgeraut mit Schleifpapier aus Indierock mittlerer Körnung? Jason Collett hat zum Beispiel mit „Idols Of Exile“ vor ein paar Jahren ein paar inspirative Brotkrumen gestreut, denen Unbunny nun willig folgen. Musikalischer Hauptpate bleibt aber eindeutig Neil Young, was vor allem der Stimme del Deos geschuldet ist. Herausragend wird es, wenn sich del Deo ein bisschen auf Experimente einlässt und sich von seiner larmoyanten Grundstimmung lösen kann: „Straw On A Camel’s Back“ wackelt zum Beispiel hübsch augenzwinkernd durch die Sonne, und wie „You Run Like A Girl“ hätte Radioheads „Creep“ wohl geklungen, wenn Thom Yorke auf weniger Sperrigkeit gesetzt hätte. „Moon Food“ ist eine kleine Platte geworden, die nur im Verborgenen groß werden wird, nämlich in den einsamen Stunden, wartend auf das erste Sonnenlicht. Dann kann es sich allerdings als Lebensretter erweisen.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: