ULVER – Wars Of The Roses

von am 19. Mai 2011

in Musik!

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Neues aus dem skandinavischen Mythologie-Zoo! Da sitzt dieses dicke schwarze Chamäleon jetzt schon seit knapp 20 Jahren in seiner abgedunkelten Ecke, wechselt Form und Farbe. Die Stimmung ist seitdem weitestgehend gleich geblieben. Nichtsdestotrotz werden sich an „Wars Of The Roses“ mal wieder die Geister scheiden. Zu poppig für die einen, zu proglastig für die anderen, zu undefinierbar für die Massen. Die Norweger haben es ihren Anhängern im Laufe der Jahre sowieso selten leicht gemacht. Erst drei Alben lang folkloristisch-epischer Black Metal, dann die Öffnung hin zum Prog-Rock mit Electro-Einschlag. Im neuen Jahrtausend entwickelten sich ULVER immer weiter in Richtung Ambient-Soundtrack-Orchester, übernahmen Filmscores und klangen schließlich wieder bombastischer als je zuvor.

„Wars Of The Roses“ ist ein eigenartiger Hybrid aus den genannten Elementen, dieses Mal allerdings von Depeche-Mode-Produzent John Fryer mit einer Extraschicht Elektro-Pop versehen. Gleich beim Opener „February MMX“ wird klar, dass sich in ULVER-Land wieder einmal die Gezeiten verschoben haben. Klaviergetragener Gothpop, bei dem die Betonung ganz klar auf der zweiten Silbe liegt. Auf der anderen Seite des Spektrums liegen wieder die atmosphärisch langen „Geräusch“-Tracks: Ist „Norwegian Gothic“ noch ein Zwischenwesen aus einem wabernden Darkpop-Song und spooky Soundexperimenten, wird mit „Providence“ ein suggestiv-dramatischer Soundtrack für einen Horrorfilm erzeugt. Sieben Tracks lang bewegt sich das Pendel hin- und her zwischen Soundscape, Bombast und Achtziger-Pop. Als hätten Future Sound Of London ihr „Dead Cities“ zusammen mit Fields Of The Nephilim eingespielt sorgt „Wars Of The Roses“ für reichlich verstörende Bilder im Kopf. Besonders das knapp 15-minütige „Stone Angels“ durchbricht alle Genremauern und steht da, wie ein gewaltiger Kirchturm, an dessen Seiten düstere Spoken-Word-Schatten hochklettern. Kein Album für den Alltag, aber daran waren ULVER sowieso nie interessiert.

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