Two Door Cinema Club – Tourist History

von carsten am 1. März 2010

in Musik!

Post image for Two Door Cinema Club – Tourist History

Ich gebe zu, als ich den Namen der Band das erste Mal hörte wurde mir etwas mulmig, da das Bandnamenmuster Zahl + Door(s) + Ergänzung in meinem Unterbewusstsein unheilvolle Assoziationen auslöste. Die konnten jedoch zunächst zurückgedrängt werden: die Band steht auf der Longlist für „BBC’s Sound of 2010“ und die bislang veröffentlichen Singles haben durchaus Lob sammeln können Der NME sagt: „It’s herky, it’s jerky, it’s mile a minute, it’s everything we love about guitars and boys.“ Na dann, Vorhang auf für die drei Jungs aus Nordirland und ihre Gitarren.

Die Legende besagt, dass die jungen Herren ihre Studienplätze für die Musikkarriere aufgegeben haben. In dieser Form kannte man das bislang vor allem von Erstrundenkandidaten bei DSDS. Ansonsten werden zumindest ein paar Alibisemester absolviert, was durchaus nicht schlecht ist, damit man auch mal was erlebt, wovon man singen kann (vs. „A longer sentence brings no more / Than one that I had said before“). Songs über Dates mit Freundinnen, gefolgt von Songs über Ex-Freundinnen, gefolgt von Songs über die Band in der man spielt – ja, das Leben ist eines der aufregensten. Über was singt eigentlich Justin Bieber? Das ist die lyrische Klasse, da kann die Band noch so viel darüber fabulieren, dass man ja keine gewöhnlichen Liebeslieber schreibe, da man Klischees vermeide. Und wie hört sich das dann an? „We’ll pass the burning light / We’ll just keep talking on / Tell me your favourite things“ Aha. Abgesehen von den Texten fühlt man sich beim Hören wie eine akustische Kuh, denn das, was man da grad durch die Ohren auditiv verspeist, ist dort scheinbar früher schon in frisch durchgegangen. „Something Good Can Work“ ist der Vampire Weekend Rip-off und „Come Back Home“ hat etwas Bloc Party-eskes ohne jemals so zwingend zu wirken wie die Vorbilder, die zusätzlich von Beginn an ihren eigenen Charakter hatten. Das ist überhaupt das Problem: Charakter. Es gibt keinen. Es regiert das schablonenhafte Indiepop-Mittelmaß als Hintergrundbeschallung für Heranwachsende und 30-jährige Pärchen, die mal was flottes auflegen wollen. Das hier tut niemandem weh. Daher wird das Album die Hörerschaft spalten. Musiknerds, die sowieso alles schon einmal gehört haben, wird es mächtig nerven. Wieder eine gehypte britische Band, bisschen indie, tanzbar und mit radiotauglichen eingängigen Melodien. Wer sich hingegen nur ein paar gute Songs erhofft kann damit glücklich werden. Die Musik macht durchaus Spaß, geht nach vorn und ist makellos produziert, allein: sie hat ein Haltbarkeitsdatum von vielleicht einem Sommer oder auch nur einer Samstagnacht. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber dann der nächste, bitte: two doors down, hinter der dritten sitzt der Zonk.

Share Button

{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 RockinBen März 1, 2010 um 16:23 Uhr

Danke für den letzten Satz! Der ist super, muss ich mir merken!

Previous post:

Next post: