Troy von Balthazar – How To Live on Nothing

von Hififi am 11. Oktober 2010

in Musik!

Post image for Troy von Balthazar – How To Live on Nothing

Chokebore waren von einer geradezu außerirdischen Schwermut. Und Chokebore war über ein Jahrzehnt Troy von Balthazars Vehikel der Welt sein Leid zu klagen. Ein Masochist wer dem für längere Zeit lauschen konnte, komplett wahnsinnig dagegen der, der dies erschuf. Albumtitel wie „Black Black“ und „A Taste For Bitters“ waren sicher keine Koketterie und noch weniger Etikette, dafür stand eine beachtliche Traurigkeit im Mittelpunkt des Bandschaffens.

Als sich die reformierten Chokebore im Februar für ein paar Clubgigs in Deutschland blicken ließen, haben zwei Ansagen Troys es auf den Punkt gebracht: „Do you wanna hear a depressing song?“ Es folgt „Sad getting Sadder“. „Do you wanna hear a very depressing one?” Und spätestens da musste es einem langsam dämmern: Chokebore kokettieren jetzt doch, und Troy verhöhnt kaum merkbar das eigene Image. Das ist mal richtig sympathisch!

Heutzutage gibt es offensichtlich ein Morgen, auf das es sich zu freuen lohnt. Von Balthazars Solo-Schaffen schüttelt die Schwermut gekonnt ab und schreibt kleine, dafür fast perfekte, Indie-Popsongs, wie sie besser nicht klingen könnten. Allerdings auch kaum schräger, wie spätestens das an achter Stelle folgende „In Limited Light“ mühelos unter Beweis stellt. „Very Famous“ ist die absolute Antithese zur Schrägheit und Trauer der vergangenen Jahre, es ist (einen Trommelwirbel bitte!) ein fröhlicher, beatleesker Ohrenschmaus. Schlicht und ergreifend. „The Tigers“ klingt hingegen schon eher nach alten Zeiten, hier hadert der Verfasser der Zeilen wieder mit sich selbst und von Balthazar beschwört ein wenig die alten Zeiten. Nur klingt im Jahre 2010 alles sehr viel verspielter, zumindest scheint es, als ob jedwede Sorge um ihn unnötig wäre.

Was natürlich geblieben ist, ist die unverwechselbare Art des Gesangs, der Haken schlägt, manchmal einem Jaulen ähnelt und dabei jederzeit pure Emotion ausstrahlt. Und nicht nur deshalb ist „How To Live On Nothing“ ein unfassbar gutes Stück Indie geworden und eins der besten (bisher gehörten) Alben des Jahres.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: