Torben Stock – Rocket

von am 3. August 2011

in Musik!

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Vier Jahre hat er daran gearbeitet. Jetzt hat der Hamburger Singer/Songwriter Torben Stock sein erstes Album am Start, und es klingt, als habe er schon Dutzende veröffentlicht. „Rocket“ transportiert dieses gewisse Quäntchen Besonnenheit, das nur auf wenigen Debüts zu finden ist. Man merkt dem 30-jährigen seine Musikerfahrung einfach an. Behutsam und respektvoll geht er mit jedem seiner Songs um. Jeder Augenblick, jeder Akkord scheint Bedeutung zu haben, und diese Wertschätzung überträgt sich beinahe augenblicklich auch auf den Hörer. Dabei nimmt Stock nicht die Rolle des larmoyanten Barden ein, der seine Songs als Vehikel benutzt, um seinen Schmerz in die Welt hinauszulassen. Vielmehr ist er ein stiller Beobachter, der in seinen Texten genug Raum für die Gedanken seiner Zuhörer lässt.

Bemerkenswert auch die relative Länge seiner Stücke, die selten unter dem klassischen Popformat von dreieinhalb Minuten liegt. Und darin liegt auch die große Stärke von „Rocket“, denn eigentlich handelt es sich hier um kleine Ambient-Popnummern, die jeweils nur ein Singer/Songwriter-Gewand tragen. Sparsam, aber wunderschön instrumentiert wird hier jeweils ein Soundtrack für einem ganz besonderen Moment erschaffen. Besonders das Instrumental „Wolkenschein“ ist so ein Kandidat. Hier wird im Kopf des Hörers unweigerlich ein sentimentales Wohlgefühl ausgelöst, das in genau der Hirnwindung abgespeichert wird, wo ansonsten nur Kindheitserinnerungen und Tagträumereien reingelassen werden. Seinen Abschluss findet das Album in dem sphärisch-schwebenden, über siebenminütigen „Cold Breeze“, in dem noch einmal deutlich wird, wie ausgewogen perfekt hier alles klingt. Leise Gitarrenakkorde werden von noch leiseren Klaviertupfern und Streichern begleitet. In der Ferne hallt ein sanft-lärmendes Gitarrenfeedback, das den Song schließlich abheben und langsam am Horizont verschwinden lässt. Das Arrangement könnte harmonischer und natürlicher nicht sein.

Singer/Songwriter-Übervater Nick Drake wird bei dieser Art von Musik eigentlich viel zu häufig herangezogen, aber Stock versteht es, mehr als viele andere Vertreter dieses Genres, genau jene enigmatisch-erhabene Stimmung zu erzeugen, wie sie auch auf „Pink Moon“ zu finden ist. Nicht so düster und verzweifelt wie Drake, aber dennoch tief bewegend und aufs Essenzielle reduziert gelingt Stock hier ein kleines, stilles Meisterwerk. „Rocket“ ist eine Platte, die in naher Zukunft für viele Menschen zu etwas ganz Besonderem werden wird. Und wie viel mehr kann ein Künstler erreichen, als den Weg in die Biografien seiner Hörer zu finden und dann dort zu bleiben.

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