Tool – 10.000 Days

von Benjamin am 10. Mai 2006

in Musik!

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Tool haben mit „10.000 Days“ zum 3. Mal das gleiche Album aufgenommen. Nach „Aenima“ wurde der Begriff des Metal um eine seriöse Band erweitert. Tool erschuffen so eine Art Art-Metal bzw. etablierten ihn. Mit „Undertow“ zuerst nur in den USA, mit „Aenima“ dann weltweit. Künstlerisch durchaus anspruchsvolle Musikvideos, allesamt aus dem Bandinneren entstanden, und komplexe Songstrukturen waren eine gesunde Mischung für Fans harter Musik, die aber nicht sinnentleert daherkommen sollte. Diese recht holprige Beschreibung einer, für damalige Verhältnisse, überragenden Band, kann kaum die Enttäuschung verbergen, die sich mit den zwei folgenden Alben eingestellt hat. Im Rückblick klingt „Lateralus“ dann ja sogar noch recht gut, obwohl einem immer noch sauer aufstößt, wie gleich und fast 1:1 das Album im Vergleich zum 5 (inzwischen 10) Jahre älteren „Aenima“ klang. Und „10.000 Days“ ignoriert ebenfalls wieder jegliche Weiterentwicklung, jegliche Ideeneingebung, die man nach „Aenima“ von Tool für ein Leben lang erwartet hatte. Wenn, dann hat sich alles nur verschlimmert. Eigentlich hätte ich erwartet, dass A Perfect Circle irgendwann einmal von Tool beeinflusst würden, statt dessen ist es anders herum. Dieses Nicht-Greifbare der A Perfect Circle Alben, diese Nullmelodien und sinnlosen und willkürlichen Strukturen, dieses Ätherische schlägt sich jetzt auch bei Tool nieder. Was bedeutet, dass Tool einfach unerhebliche Musik machen, mit einer Herangehensweise und Bildersprache, die vor 10 Jahren stehen geblieben ist. Als würden Tool immer noch unveröffentliche Tracks aus den Aenima-Sessions verwerten. Die Songs werden von der exakt gleich gezupften Gitarre wie bei „Aenima“ getragen. Es folgen in gleichen Taktabständen harte auf softe Parts etc. Die Parallelen sind offensichtlich. Ich habe nichts gegen die Etablierung eines Stils. Das passierte von „Undertow“ zu „Aenima“. Danach passierte aber nichts mehr. Als gutes Beispiel könnte man da The White Stripes nehmen. Die mag ich zwar nicht, aber bei denen gibt es eine intelligente Weiterentwicklung innerhalb eines unglaublich engen Rahmens. Und trotzdem haben sie sich bis jetzt jedes Mal neu erfunden. Die Neuerfindung lässt bei Tool auf sich warten. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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1 Sterereo Mai 13, 2006 um 16:28 Uhr

Sicher, Tool klingen nach wie vor nach Tool. Aber doch eher im positiven Sinn. Und Veränderung gibt es ebenfalls genug. Haben doch einige Songideen mittlerweile epische Züge angenommen. Man denke nur an den „Wings for Marie“-Zweiteiler mit ingesamt 16:30 Minuten. Damit schafft Tool etwas einzigartiges, spirituelles – so ähnlich wie ein Mantra. Und ist es nicht genau dass, was die Maynard-Truppe ausmacht? So etwas wie eine düstere Religion sein, mit diesen typischen harten Gitarrenriffs und den einzigartigen, künstlerischen und unergründlichen Texten. Alles stimmt malwieder auf dieser Platte.

Mit deiner Argumentation stellst du außerdem die Existensberechtigung von „Lateralus“ in Frage, was das ganze sehr abwegig macht. Ist „Lateralus“ doch nach wie vor ein Meilenstein. Deshalb wird auch 10.000 Days Erfolg haben, bei mir und bei vielen anderen und das durchaus mit Fug und Recht.

2 Cut1977 Mai 14, 2006 um 17:33 Uhr

Also beim Aenima Album haben wir „Third Eye“ mit einer Spieldauer von einer Viertelstunde. Die Epik gab es auch schon früher bei Tool. Soweit ich weiß, gab es auf „Undertow“ dieses Stück Disgustipated (oder so), was über 20 Minuten geht. Dort gibt es viel Stille, aber ich schätze mal, dass Tool auch die Pausen als Teil ihrer Musik verstehen.
Tool haben mit Aenima auch schon etwas einzigartiges kreiert und die Latte für ihr Schaffen sehr hoch gehängt. Damit war „Lateralus“ eben kein Meilenstein sondern eine Wiederholung. Die Stimmen der einschlägigen Presse waren dementsprechend anerkennend aber nicht überschwenglich. Natürlich wird „10.000 Days“ Erfolg haben. Zu Recht für die Fans und auch für Tool aber nicht im Sinne des Anspruchs und der Kunst, die sie früher erschaffen haben.
Ich habe nichts gegen Tools Musik, aber gegen Stillstand schon.

3 Gast Mai 14, 2006 um 17:57 Uhr

Ic habe nichts gegen Stillstand, sofern er auf hohem Niveau stattfindet.

4 Sterereo Mai 14, 2006 um 18:45 Uhr

und ich sperre den Benutzernamen „Gast“. 🙂

5 Hififi Mai 30, 2006 um 14:31 Uhr

Stillstand ist der Tod! Epik – oder genauergesagt Langatmigkeit – ist kein Merkmal von Qualität! Stille hat auf Tonträgern nichts verloren! Spieler wie Flasche leer! Ich habe fertig!

6 Pete September 17, 2006 um 12:00 Uhr

Naja, dass „10.000 Days nicht das beste TOOL-Album ist – ok, aber LATERALUS war auf keinen fall eine Wiederholung von AENIMA, sondern eine eindeutige Weiterentwicklung. Vielleicht sollte sich hier jemand mal mehr auf die Musik, die er hier rezensiert einlassen, anstatt sie quasi zu zerreißen! Übrigens: 10.000 DAYS hört sich eher an, wie eine Mischung aus den beiden Vorgängern. Außerdem finde ich schon einmal überhaupt nicht, dass TOOL irgendwie etwas mit A PERFECT CIRCLE zu tun hat, außer dem Sänger natürlich!
irgendwie kann ich auch verstehen, in diesem rahmen hier keine anständige Kritik über manche Art von Musik zu hören. Hier wird so geschrieben, als ob jede Band sich einem Tend anpassen müsste und sich einem Stil anzugleichen, der vielleicht gerade „in“ ist!
So ist das mit der AENIMA in diesem Fall ja auch: Damals war die Platte der Hammer und alle fanden sie geil und so jemand, wie dieser Autor vergleicht nur alles mit dieser Platte!
was danach kam, war ihm nicht gut genug!
Ich weiß auch irgendwie nicht, wie ich auf diese Seite hier gestoßen bin, aber es war wohl das erste und letzte Mal!

7 Sterereo September 17, 2006 um 14:33 Uhr

Hey Pete,

schonmal darüber nach gedacht, dass Musik immer subjektiv empfunden wird? Egal wo rezensiert wird, wird immer die Meinung des Autors wieder gegeben. Das tolle an dieser Seite ist, dass jeder Kommentare und Rezensionen verfassen kann um seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Diskussion ist gut!

Und wenn du hier nicht mehr reinschauen möchtest, nur weil dir Cut’s Meinung über dieses Tool Album nicht gefallen hat, bittesehr. Aber ich wüsste da noch eine bessere Lösung: schreib ne Rezension über Lateralurs. 🙂

8 Stallmeister Dezember 5, 2006 um 21:18 Uhr

Aaaalso, ich finde, dass Tool mit Lateralus ein bisschen nachgelassen haben(das heißt nicht, dass die Platte schlecht ist, ich mag die Lieder ziemlich gerne), aber nur um dann mit 10.000 Days nochmal richtig zuzuschlagen. Das ganze Konzept des Albums, Typ sitzt vorm Fernseher und sieht das Leid der Welt, kann aber nix dagegen machen, wird dann der Auserwählte um die Menschheit zu retten(oder so xD), ist einfach wunderbar umgesetzt. Allein schon Rosetta Stoned drückt den vom „Auserwählten“ Wahnsinn und seine hilflosigkeit aus. Naja ich will hier jetzt nicht ewig rumsülzen, aber ich würde das Album auf jedenfall nicht als etwas bezeichnen, was im Stillstand produziert/entanden wurde/ist.
Joa so, viele Grüße euer Stalli

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