Tom Krimi – Why Don’t We

von am 16. März 2012

in Musik!

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Inwiefern hat unser Aufwachsen in den unterschiedlichen Besatzungszonen eigentlich zur musikalischen Sozialisation beigetragen? Frankophil in Mainz? Anglophil in Bremen? Sicher führt die teils etwas ambivalente Englandliebe der Deutschen viel weiter zurück als bis zur europäischen Nachkriegsgeschichte des letzten Jahrhunderts. Aber vielleicht ist es tatsächlich ein – wohl oft unbewusster – Fakt, dass sich die Kinder „einer kulturell besetzten Zone“ bis heute zum anglo-amerikanischen Pop und Rock hingezogen fühlen. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass davon einfach am meisten gespielt wurde, und das nicht nur auf BFBS. An den regelmäßigen nächtlichen Schlägereien vor den britischen Soldatenkneipen, die es wohl in fast jeder Stadt in der Nähe von Kasernen gegeben hat, wohl weniger. Sehr wahrscheinlich liegt der immer noch ungebrochene Sexappeal englischer Musik einfach an der Tatsache, dass jenseits von Kanal und Atlantik die Melodien immer noch ungebremst aus dem Boden sprießen. Selbst wenn das Unkraut aussortiert ist wächst dort immer noch ein Vielfaches an großartiger Popmusik, als es das hier tut. Auch wenn Deutschland zumindest ansatzweise aufgeholt hat.

Tom Krimi steht nach eigener Aussage seit seiner Kindheit unter dem Einfluss des britischen Soldatensenders. Irgendwann landete er in Berlin, war ein Teil von Stereo De Luxe und schreibt und produziert seitdem Stücke für eine ganze Reihe Künstler wie Ellen Allien, Labrador oder Herbst in Peking. „Why Don’t We“ ist sein zweites Soloalbum und hebt sich erfreulich von der Masse an Veröffentlichungen ab, auf der deutsche Songschreiber einfach ihren Vorbildern nacheifern. Überhaupt klingt seine Musik eher wie jüngerer amerikanischer Indierock, der kauzigen Sorte – allen voran Mark Oliver Everett alias The Eels. Diesem kommt er in melancholisch-einsamen Popnummern wie „Mother Up Above“ schon gefährlich nahe: Glockenspiel, organische Synthesizer, naiv-merkwürdige Kindermelodien und eine „Oh, du fröhliche“-Reminiszenz. Krimi mischt sich aber ansonsten sehr eigen- und anständig durch Stile und Zeiten. Von „Tomorrow Night“ als Folkrock-Abstecher mit trübsinnig-erdigem Groove, zur entspannten Loungepop-Meditation „Apathy“, die genauso klingt, wie sie heißt. Zero 7 (man höre sich vor allem die tolle Singleauskopplung „Drink Drink Drink“ an), The Hold Steady oder Elvis Costello in einer Reihe als Referenz nennen zu können, ist sicher auch keine allzu schlechte Sache. Vor allem seine markante Stimme bewahren Krimi und seine Musik aber davor, zu sehr in die Nähe anderen Künstler gestellt zu werden. Hat er auch gar nicht nötig. „Why Don’t We“ steht für sich und klingt dabei auch noch verdammt gut. Alles ist liebevoll und detailreich ausgearbeitet und produziert, nichts klingt nach zu sehr gewollt. Es geht um den Song. Und der passt hervorragend zum bevorstehenden Frühling.

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