Tindersticks – Falling Down A Mountain

von carsten am 3. Februar 2010

in Musik!

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Ausgerechnet Louis Vuitton. Der exklusive Taschenhersteller aus Frankreich, Liebling von Promis, die man am liebsten gar nicht kennen würde (Victoria Beckham), und Unternehmen, das nicht davor zurückschreckt Second-Hand-Läden des DRK zu verklagen, bestellt die Musik für seine Sommerkollektion bei: den Tindersticks. Und die liefern. Ein Fall für die Indiepolizei?

Ein klares nein. Der vielschichtige Sound der Tindersticks klingt so gar nicht nach Fußballerfrauen und 130-€-Krawattenträgern. Gleich mit dem ersten Stück, das gleichzeitig das Titelstück ist, wird die Atmosphäre des Albums aufgespannt. Ungewohnt jazzig leitet eine Trompete den Song ein bis der unterschwellig abgemischte Gesang angestimmt wird, der mehr lautmalerischen als lyrischen Wert besitzt. „Falling down a mountain“ klingt angenehm nach schwüler Sommernacht und macht die aktuellen Temperaturen für gute sechs Minuten vergessen. Schon mit dem nächsten Track wird deutlich, wo die Stärken der Band liegen. Reduzierte Instrumentierung, auf den Punkt gebrachte Melodien und eine entspannte Melancholie als Grundeinstellung. Die Stücke werden immer von Stuart Staples Stimme getragen, er führt durch die Titel, elegant, aufrecht, vielleicht mit einem Whiskeyglas in der Hand. Unterstützt wird er dabei durch den Bassisten Dan McKinna und den Neuzuängen an den Drums, Earl Harvin, und der Gitarre, David Kitt, sodass sehr schöne vielstimmige Gesangslinien entstehen. „Peanuts“ ist ein Duett mit der Sängerin Mary Margaret O’Hara, das das Leider zweier Liebender erzählt, die zwar durch viele Meilen getrennt sind, aber durch ihre gemeinsame Leidenschaft für Erdnüsse die Erinnerung aneinander bewahren. Welche Geschichte wohl dahintersteckt? Das Lied mutet auf jeden Fall im besten Sinne klassisch an und weiß zu gefallen. Trotzdem ist es erfreulich, dass im Folgenden das Tempo durchaus auch mal etwas angezogen wird. Die Geschlossenheit des Album wird durch den letzten Instrumentaltitel, „Piano Music“, sichergestellt, der einen sanft aus der Klangwelt der Tindersticks entlässt. Auf der letzten Seite des Booklets heißt es: „hands up who wants to suffer for their art? me sir, me sir!“. Über die Leiden des Stuart Staples ist nichts überliefert, dass seine Band Kunst macht hat sie hingegen selbst auf diesem Album dokumentiert.

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