Tinariwen – Tassili

von Benjamin am 26. September 2011

in Musik!

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Das Besondere an der Musik Tinariwens (oder auch Tamikrest in diesem Zusammenhang) bleibt wohl immer die – mehr oder minder – geniale Verknüpfung fremdklingender Tonleitern mit den Rhythmen und Strukturen westlicher Hemisphären. Nicht, dass es in östlichen oder südlichen Gefilden und Kulturen nicht auch Rhythmen oder Strukturen gäbe, aber bei Tenariwen hat man dann eben mal vier Zeilen/Takte Text mit Musik, dann vier Takte Musik usw. usf. ganz so wie es in der Popmusik halt abläuft.

Soll man das jetzt aber eigentlich gut finden? Oder sollte man sagen: wenn man schon die Chance hat, auf untemperierte und ungleichförmige Töne zurückgreifen zu können, warum zwängt man sie dann in das westliche Herrschaftsschema der Rock- und Popmusik? Klischees und Mythen und Legenden dieser Band mal beiseite, interessant klingt bei dieser Musik einfach genau dieses Zusammenspiel aus Bekanntem und Unbekanntem. Natürlich gibt es aber auch hier ein Aber. Man bekommt es nicht so ganz aus dem Kopf, dass es so scheint, als müssten sich die westfremden Melodien über die Strukturen des vorherrschenden Musiksystems herantasten, um überhaupt akzeptiert zu werden. Man verstehe mich nicht falsch: mir gefällt diese Musik sehr und sie umschmeichelt meine Ohren, aber vielleicht sollte sie das nicht. Vielleicht sollte sie stattdessen eine Verwirrung hervorrufen, um eben einen Unterschied darzustellen. Genauso verhält es sich mit der Qualität und Produktion der Aufnahmen. Alles klingt hier vollkommen geleckt und glatt, ganz so als wäre es bei Rick Rubin im Studio aufgenommen. Wiederum: wenn man diese Melodien in sich hat, warum gibt man ihnen nicht einen anderen Boden, aus dem sie wachsen können? Warum muss das alles so „fett“ produziert werden? Tinariwen wirken so auf „Tassili“ eher wie eine Bauchtänzerin, die in einer Hotellobby vor Managern einen Tanz zum Besten gibt. Die Westler kommen aus ihrer Welt nicht heraus, müssen ihren angestammten sicheren Platz nicht verlassen und können trotzdem das Gefühl verspüren, mal was ganz Exotisches erlebt zu haben. Dabei haben sie das gar nicht. Sie haben eine Verpackung von außen gesehen.

Interessanter fände ich es, hier vielleicht mehr Gegenüberstellungen zu machen. Warum nicht zwischen die professionellen Studioaufnahmen Field Recordings streuen, die das ganze Bild ein wenig aufbrechen? Ich will ja nicht behaupten, man müsse jetzt in die Wüsten Afrikas pilgern, um die „wahre“ Musik mitzubekommen; ich weiß, dass wir alle das Spiel mit dem leicht konsumierbaren Produkt spielen, aber warum dann nicht innerhalb des Spiels noch ein weiteres Spiel einbauen? Das würde die durchaus interessanten Melodien auf diesem Album noch wesentlicher greifbarer und interessanter machen.

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