Tina Dico – Welcome Back Colour

von am 12. Oktober 2010

in Musik!

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„Musik ist Leben, Philosophie und Rückführung zum Kern der Seele“ lautet die Grundlage, auf der die Dänin ihr Schaffenswerk stellt, und wenn man böse sein will, könnte man ihr unterstellen, dieses Zitat von der Kopenhagener Ausgabe der „Brigitte Woman“ abgeschrieben zu haben. Was für ein großer Brocken Nettigkeit ist doch das vorliegende Doppelalbum. 26 Songs auf zwei CDs wollen drei Monate vor Weihnachten schon einmal heimelig kuschelige Stimmung verbreiten. ‚Entspannung‘, ‚Besinnung‘ und ‚Selbstfindung‘ in einer hektischen Welt sind die Schlagworte, die auf jeden einzelnen Song passen könnten.

Beschäftigt man sich mit der Entstehungsgeschichte von „Welcome Back Colour“, erscheinen die qualitativen Voraussetzungen schon nicht schlecht, wenn auch zwiespältig.

Die platindekorierte Dänin und der sympathisch-larmoyante Jedermanns-Indie-Liebling-Helgi Jonsson haben zum Teil gemeinsame Sache gemacht. Das klingt durchweg gefällig, oft zu gefällig, um es nicht nur nebenbei zu hören. Zur Mitte von CD 1 packt es einen dann doch noch. Schön hervor sticht zum Beipsiel das mit unheilvollem Piano unterlegte „Count To Ten“. „Welcome Back Colour““ ist insgesamt ein angenehmes Stück Gitarrenpop zwischen Suzanne Vega, Joan Osborne, Leslie Feist und Kate Nash. Dennoch gehen einige Songperlen in der schieren Masse ganz einfach verloren. Dieser süße Brocken liegt nicht einmal schwer im Magen. Eigentlich tut er nichts, außer mal mehr oder weniger gefällig vor sich hinzuplätschern. Vielleicht hätte Dico die Farbe öfter mal weglassen und sich stattdessen auf Kontraste konzentrieren sollen. Muss man ganz durchhören, um Akzente zu finden, will man aber nicht immer.

Wer jetzt schon die passende Musik sucht, die er als Aufwärmmittel nach den kommenden Weihnachtsmarktbesuchen mit der Familie verwenden kann, hat mit „Welcome Back Colour“ ein tongewordenes Stück Marzipanbrot gefunden, dass auch Oma und Opa gefällt. Allerdings provoziert man nach einem Komplettdurchlauf, dass der rebellische Sohnemann darauf beharrt, Slayers Reigning Blood einzulegen: das herzhafte Blutwurstbrot nach all dem süßen Zeug. Und der Rest der Familie wird sich dabei ertappen, dass ihr Kopf anfängt zu nicken.

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1 JonesKorn Februar 29, 2012 um 08:02 Uhr

Warum auch immer, ich hab’s erst jetzt gelesen (und selbst Weihnachten 2010 ist schon längst vorbei). Schöner Schluss 😉

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