Thurston Moore – Trees outside the academy

von Benjamin am 17. September 2007

in Musik!

Post image for Thurston Moore – Trees outside the academy

Das aktuelle Soloalbum des Sonic-Youth-Gitarristen und Masterminds Thurston Moore überrascht zunächst: Wo ist hier das Gitarrenfeedback, wo sind die Verzerrer? Und wo ist Kim Gordon? Oh, Sorry, ist ja nen Soloalbum, da hat die Gattin nichts zu suchen (auch bei den weiblichen Gesangsparts nicht). Aber um es auf den Punkt zu bringen: In erster Linie ist „Trees outside the academy“ mit typischen Folkinstrumenten wie Violine, Akustikklampfe und Klavier bestückt.

Das Album beginnt mit „Frozen gtr“ und wo der Gitarre im Titel die Selbstlaute fehlen, steht hier die selbstlautende Akustikgitarre im Vordergrund, die elektrisch Verzerrte gibt es nur im Hintergrund zu hören. Sie streiten aber nicht miteinander, sondern die E-Gitarre und die Violinen begehen ein Wechselspiel. Der Song könnte auch in einem sehr melodischen Moment von Sonic Youth entstanden sein. Auch hört man deutlich die Vorbilder der Hauptband raus: Velvet Underground.

„Honest James“ ist mein liebstes Stück, denn man hat sich grad auf einen instrumental-akustischen Hörgenuss eingestellt, da beginnen Moore und eine Frau (Christina Carter?) zu singen, was sich als ein ebensolcher Hörgenuss herausstellt.

Ca. in der Mitte des Albums befindet sich mit „Wonderful Witches“ ein Rocker. Nicht nur deshalb ist der Song was besonderes, denn trotz der Kürze besitzt er auch ein ordentliches E-Gitarrensolo, wie sonst nirgends auf dem Album. Experimentell, vielleicht auch etwas anstrengend für nicht Sonic Youth geübte Ohren, klingt das Album bei „American Coffin“, „Off work“ und dem kurzen Intermezzo vor dem Titelstück „Free noise among friends“. Bei „Silver-Blue“ musste ich an Malcolm Middleton denken, obwohl dieser Titel im Vergleich mit Songs des Schotten verlieren würde. „Fri/end“ erinnert ein wenig an Pavement. Diese Art des Indie-Rocks passt besser zu Thurston Moore.

Produziert hat das Album übrigens John Agnello, der diesen Job auch beim letzten, für Sonic Youth-Verhältnisse relativ poppigem Album „Rather Ripped“ erledigte. Vielleicht ein Grund für die vielen ruhigen Stücke von „Trees outside the academy“?! Ansonsten waren an dem Album noch die Musiker J Mascis, in dessen Studio das Album aufgenommen wurde, die erwähnte Christins Carter, Sonic Youth Schlagzeuger Steve Shelley, an der Violine Samara Lubelski (u.a. Hidden Cameras) und die mir nicht näher bekannten (Schande auf mein Haupt) Andrew Macgregor aka GOWN, John Moloney und Leslie Keffer.

Ansonsten bin ich mir bei diesem Album sehr unschlüssig. Es hat ein paar sehr gute Momente, die mich wirklich staunen lassen, es ist auf keinen Fall schlecht. Aber wenn mich zwischen einem beliebigem Sonic Youth-Album und diesem Werk entscheiden müsste: ich würde ein Werk der Hauptband nehmen.

Share Button

{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Pynchon September 22, 2007 um 16:44 Uhr

Sehe ich auch so alles in allem. Als großer Sonic Youth-Fan muss ich etwas bitter bekennen, dass seit einigen Jahren eine Reihe anderer Bands aufgekommen sind, die meiner Meinung nach auch was die Innovation im Rockbereich anbetrifft, meiner Lieblingsband etwas den Rang abgelaufen haben. Die besten Zeiten von Sonic Youth liegen doch 10-20 Jahre zurück…Und so finde ich auch Thurston Moores Soloalbm durchaus nett anzuhören, aber alles in allem nicht sonderlich aufregend- schade!

2 otic September 25, 2007 um 16:41 Uhr

Schon Thurston Moores „Psychic Hearts“ war auch nicht sonderlich aufregend, aber gut.

Previous post:

Next post: