Thisquietarmy – Resurgence

von am 2. Dezember 2011

in Musik!

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Nichtkenner von Eric Quach (u.a. Destroyalldreamers) und seiner Musik werden beim Lesen der Albumbeschreibung wahrscheinlich ziemlich ungläubig dreinschauen. Hier heißt es nämlich, „Resurgence“ sei wohl das zugänglichste und variantenreichste Album von Thisquietarmy. Aber das ist tatsächlich der Fall. Vier Jahre lang hat es gedauert, bis das mächtige Werk im Kasten war. Und auch der Hörer muss für diese Art von Musik Zeit mitbringen, sonst kann sie nicht funktionieren. In einer angemessenen Umgebung gehört, offenbart „Resurgence“ seine gesamte Schönheit, die gar nicht mal so im Verborgenen liegt, wie es zunächst den Anschein hat.

„Resurgence“ beginnt mit „Rebirth“, einem Hinabgleiten in die Welt des Rauschens, eine annähernd vierminütige Einleitung in „Revival“, das in diesem Kontext vor allem durch die treibenden Drums quasi als Uptempo-Pophit bezeichnet werden kann. „Whispers In The Trees“ klingt wie ein Six-By-Seven-Instrumental, dass im falschen Tempo abgespielt wird.

Bemerkenswert an „Resurgence“ ist, dass es dem Hörer trotz der vielen Lagen aus Geräuschen, Gerumpel, Gefiepe immer verhältnismäßig leicht gemacht wird, den Überblick zu behalten. Quachs Stücke sind weder unübersichtlich, noch absichtlich vertrackt gestaltet, sondern breiten sich stets aus wie tiefschwarze Wolkenhaufen. Trotz der bedrohlichen Stimmung kommt es nie zur endgültigen Spannungsentladung. Eine echte Katharsis findet so gut wie nicht statt, vielmehr ein An- und wieder Abschwellen, ohne dabei allzu viel Brutalität zu offenbaren. Im Gegenteil, eher schlägt die Stimmung ins Melancholische um, als dass hier übermäßig viel Aggressivität gezeigt wird. Selbst das brachiale Noisegewitter „Mechanical Heart“ pumpt sich nur langsam auf, bis es zu einem riesenhaften Monster angewachsen ist. Dann verschwindet es – ohne großen Schaden anzurichten – wieder genauso gemächlich in den heiligen Jourgensen-Höhlen, aus denen es zuvor gekommen ist. Quach erschafft Ambient-Soundscapes mit anderen Mitteln. Wie unverstandene Riesen wanken sie durch die Weltgeschichte, suchen nach jemandem, der es es wagt, sich ihnen vorbehaltslos zu nähern. Hat man als Hörer die Furcht vor Überforderung erst einmal abgelegt, erkennt man die wahren Strukturen, die unter der Noise-Haut liegen wie pulsierende, fein verästelte Blutgefäße. Ströme fließen, vereinigen sich und spalten sich wieder auf. Dabei fließen Psychedelic, Krautrock, Industrial und Doom ineinander. Alles ist verbunden durch ein gewaltiges Band aus Repetition. Loops und Effekte wiederholen sich, wallen hoch und ebben wieder ab, lassen Bilder und Szenarien im Kopf entstehen. Auch physisch ist „Resurgence“ ein ganz besonderer Genuss: Doppel-LP und –CD erscheinen in einem liebevoll gestalteten Klimt-artigen Cover von Mandi A. Morgan und bieten zusätzliche Bonustracks, die die Reise durch die Nacht noch intensiver gestalten. Dazu gibt es noch eine Radioversion, des von Meryem Yildiz gesungenen „Gone To The Unseen“.

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