This Will Destroy You / Kokomo 13.07.2011, Amp Münster

von am 26. Juli 2011

in Feierlichkeiten

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Postrock befindet sich nach einer längeren Durststrecke der Stagnation derzeit in einer Metamorphose. Es musste sich einfach was tun. Jahrelang hatte der Großteil der Genrevertreter nichts Neues zum ewigen sich wiederholenden, instrumentalen Laut-leise-Epos hinzuzufügen als immer neue mäandernde (ein Wort, das für diese Art Musik hätte erfunden werden müssen) Varianten genau jener Sounds, von denen sich Genrebereiter Mogwai schon mindestens seit ihrem 2003 erschienenen „Happy Songs For Happy People“ abzuwenden versuchen.

Für Bands, deren Livegigs vor allem durch das Atmosphärische in ihren Stücken getragen werden, stellt das Münsteraner Amp allerdings eine denkbar ungünstige Location dar: Der dumpf-dröhnende Sound, die Minibühne und quatschende Kids, die auf die Clubnight warten, machen es dem Publikum schwer, sich auf das Dargebotene einzulassen.

Die Duisburger Kokomo tun das in dieser Situation einzig richtige, sie drehen voll auf und bringen ein solides Set zustande, dessen Qualität zwischen Schüler-Metalband und eindrucksvoller, aggressiver Opulenz hin und herpendelt. Zum Teil klingt das recht ordentlich, aber bis zum mitreißenden Hauptact ist es noch ein langer Weg.

This Will Destroy You haben es trotz der engen Genrebegrenzung immer irgendwie hingekriegt, sich vom riesigen Pool an wuchernden Instrumental-Rockbands abzuheben. Die ständig im Raum stehenden Vergleiche zu Explosions In The Sky deuten zwar an, dass auch TWDY es nicht schaffen, entscheidende neue Akzente zu setzen. Nichtsdestotrotz vermögen sie es, den ein oder anderen Impuls zu geben. Und sei es nur durch die Konzentration aufs Wesentliche. Keine aufwendige Videoshow läuft im Hintergrund, jeder Ton klingt, wie aus hundert anderen herausdestilliert. Die Texaner stehen trotz allen Bombasts mit einem Bein im Slowcore, was ihren Sounds durchaus zugutekommt. Lange, minimalistische Passagen wechseln sich ab mit brachialer, alles platt walzender Energie. Und immer wieder unfassbar bewegend-traurige Granitblöcke, die einen in den Abgrund zu reißen drohen. „Little Smoke“ bringt dieses Wechselbad geradezu meisterhaft auf den Punkt: Ein tiefschwarz-melancholisches Intro erhebt sich unvorhersehbar in eine Lärm-Katharsis, die alles unter sich begräbt. Laute und leise Parts werden gnadenlos durchexerziert und in beide Richtungen ausgelotet. So lang, bis es wehtut. Ihr 2011er-Album „Tunnel Blanket“ bildet das Fundament für eine Setliste, die in sich so stimmig ist, dass sie wie aus einem Guss erscheint. Vielleicht ist es sogar ganz gut, dass einen die oben genannten Störfaktoren immer wieder ins richtige Leben zurückholen, denn die musikalische Intensität kann gehörig an der Substanz nagen. Insgesamt ein beeindruckender Auftritt, der allerdings eine Frage auch nicht vollständig beantworten kann: Quo vadis, Postrock? Wer also ein hervorragendes, in seiner Ausführung eher altmodisches Instrumentalrock-Album sucht, dem sei noch einmal „Tunnel Blanket“ ans Herz gelegt. Die Live-Umsetzung steht dem Album in nichts nach.

Eine Bitte noch zum Schluss an die Verantwortlichen im Club: Die feierwütigen Indiekids das nächste Mal eine halbe Stunde später reinlassen, dann gibt es weniger böses Blut im Publikum. Niemand hat Lust darauf, sich sein Konzerterlebnis durch überlautes Gequatsche und Kommentare wie „Ist ja voll depri, ey!“ versauen zu lassen.

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