These Monsters – Call Me Dragon

von am 13. April 2010

in Musik!

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Showdown: Mitten in der Skyline von Leeds erscheint ein grellbuntes Post-Metal-Biest, das die umliegenden Hochhäuser wie Streichholzschachteln umzuschmeißen droht. Strommasten und Kräne werden zertrümmert, die Menschen fliehen in Panik vor dem heranrollenden Flammenmeer. Das Ding teilt sich in eine unüberschaubare Masse von Mäulern, vertrackten Strukturen und säureverspritzenden Tentakeln. These Monsters kommen! Und das tun sie gewalt(tät)ig. Wie bizarre Pappmachéviecher von absurder Größe wurden die sieben Tracks mit zum Teil abstrusen Science-Fiction-Namen wie „Space Ritual“ oder „Deaf Machine“ auf das Debütalbum gepresst. „Call Me Dragon“ ist groß, riesengroß sogar, aber walzt nicht stumpf alles platt, was sich ihm in den Weg stellt. Vielmehr fordert es den Hörer heraus. So befindet sich das Ungeheuer in einer ständigen Transformation, verwirrt durch viele kleine Täuschungsmanöver und Genre-Exkursionen: Psych, Metal, Postrock, Jazz bäumen sich zu mittelschweren Naturkatastrophen auf und stürzen wieder spiralförmig in sich zusammen. Besonderes Element: Ein Saxophon, das nicht nur als Running Gag in den Sound eingebaut wurde, sondern neben Gitarre, Schlagzeug und Bass mindestens gleichwertig regiert. Dafür tauchen Vocals nur gelegentlich als unterstützendes Feature auf. Die vier Engländer nehmen sich dabei nicht allzu ernst, sondern gestalten aus Prog-Rock-Klischee-Versatzstücken eine ganz eigene Musiklandschaft zwischen ironischem Fantasy-Bombast und trockener Härte. „Prog minus Scheiße“ kommt einen in den Sinn, womit wir schließlich beim Hififi-Lieblings-Hausmonsterchen Octo Wallace angekommen wären. Die beiden Bands scheinen vom gleichen Schlag zu sein. Nicht auszudenken, was passieren würde, gingen sie gemeinsam auf Tour. Das Szenario ähnelte sehr wahrscheinlich einem Zweikampf zwischen Godzilla und Frankenstein. Mit anderen Worten: Ein feuchter Live-Traum für jeden Musikhörer – Furchtlosigkeit vorausgesetzt.

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