The Weakerthans – Kamp Bielefeld, 30.06.2011

von Hififi am 6. Juli 2011

in Feierlichkeiten

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Ohne neues Studioalbum im Gepäck betouren die Kanadier von den Weakerthans die deutschen Clubs und das aktuelle „Reunion Tour“ ist mittlerweile bereits vier Jahre alt. Der Verdacht liegt nah, die Herren täten es wegen des Geldes (woran eigentlich nichts Verwerfliches zu entdecken ist), wenn es ihnen nicht offensichtlich soviel Spaß bereiten würde, auf der Bühne zu stehen und so lässt sich das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Ihre Livequalitäten haben sie zudem vor einem Jahr für alle Zeiten auf Tonträger gebannt: „Live at the Burton Cummings Theatre“ macht zumindest Lust auf mehr.

So auch Alamo Race Track, die als Support ein halbstündiges Set zum Besten geben, das sicher auch eingefleischte Weakerthans-Fans überzeugt haben dürfte. Jedenfalls ist der Besucherraum bereits bis in die letzten Reihen gefüllt und der Alternative Country der vier Niederländer aus der Hauptstadt wird ausgiebig beklatscht. Im Gegensatz zur Hauptattraktion des Abends wird der Americana von David Corel, Guy Bours, Len Lucieer und Ralph Mulder sehr viel weniger subtil dargereicht, ohne den Indie Rock der ersten beiden Alben zu vernachlässigen, sich aber deutlich von ihm hervorhebend. Das brandaktuelle „Unicorn Loves Deer“ kann sich als Geheimtipp jedenfalls live behaupten.

Die Weakerthans können in Deutschland immer wieder auf eine eingeschworene Fangemeinde zurückgreifen und haben in Thees Uhlmann einen prominenten Fürsprecher und das gesamte Grand Hotel van Cleef hinter sich. Das gemischte Publikum im Kamp betrachtet, sind an diesem Abend sowohl alte Propagandhi-Fans (die ehemalige Band von Sänger und Gitarrist John K. Samson), als auch blutjunge Indie-Girls zugegen, was für die zeitlose Güte der Songs spricht, die die Band aus Winnipeg für ihre Hörer bereitstellt. Es ist eine Art Querschnitt der letzten fünfzehn Jahre: Post-Punk, Folk, ein ganz klein wenig Country und eben der gute alte Indie-Rock. Zusammen ergibt dies einen absolut liebenswerten, recht eigenen Sound, den sie sich allerdings seit geraumer Zeit mit den weitaus erfolgreicheren Death Cab For Cutie teilen müssen. Die Stimmen von John K. Samson und Ben Gibbard ähneln sich doch zu sehr, um es abzustreiten. Spielt keine Rolle; das Kamp ist voll, das Publikum bereits nach den ersten beiden Songs aus dem Häuschen – Samson zudem ein fürsorglicher und grundsympathischer Gastgeber. Das eigenwillige Gepose der Gitarrenfraktion zu einigen Songs sei ihnen schnell verziehen und es gäbe noch einiges an Lob auszuschütten, wäre der Abend nicht geradezu unspektakulär, doch zumindest kurzweilig gewesen. Etwas über eine Stunde Spielzeit ist jedenfalls nicht unbedingt das, was zu erwarten gewesen wäre.

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