The Walkmen – Lisbon

von Pynchon am 26. September 2010

in Musik!

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“You & Me”, das Vorgänger-Album der New Yorker Band The Walkmen, war eine derartige musikalische Glanzleitung voll abgründig-düsterer Schönheit, dass die skeptische Frage aus dem aktuellen Pressetext, wie man denn ein solch herzbrecherisches Werk musikalisch überhaupt weiterführen könne, durchaus berechtigt erscheint. Nun kommen die Songs auf dem Nachfolger „Lisbon“ allerdings derart souverän und entspannt herüber, dass von kreativem Kopfzerbrechen nichts zu spüren ist. Das mag mit den zwei mehrtägigen Trips nach Lissabon zusammenhängen, auf denen die Jungs um Sänger Hamilton Leithauser die nötige Inspiration fanden, vor allem aber sind The Walkmen ganz einfach eine großartige Band, die keine Herausforderung scheuen muss.

Der Weg von den zornigen Garagen-Rock-Anfängen á la „The Rat“ hin zum intimen Kammermusik-Sound von „You & Me“ war schon ziemlich beachtlich, und auch wenn „Lisbon“ in seinem ausgewogenen Zusammenspiel verschiedener Instrumente dem intimen Grundton des Vorgängers treu bleibt, ist die Musik diesmal doch weniger düster. Zwar melancholisch (denn zu Rampensäuen werden The Walkmen nicht mehr), aber nicht selten überraschend euphorisch. Liebhaber der rockigen Walkmen-Ära sind mit „Angela Surf City“ und „Whoe Is Me“ erstklassig bedient und werden Zeuge, wie innovativ und mitreißend geradlinige Rockmusik heutzutage klingen kann.

Zu meinen Lieblingsstücken zählt in jedem Fall „Blue As Your Blood“, das mit seinem metronomischen Takt, den beunruhigenden Streichern und wolfsheulend-klagendem Gesang eine hypnotische Spannung entwickelt. „I sit alone and I wonder why”, singt Leithauser, “Oh hazy, lazy days, I could dream of you forever, under the shade of a Juniper tree, I sing a sad song of you and me.” Tristesse allerorten, möchte man meinen, aber diese Traurigkeit ist mit einer derart ausgeglichenen, in sich ruhenden Perfektion vorgetragen, dass es niemals pathetisch oder sentimental rüberkommt.

Überhaupt ist „Lisbon“ das Resultat konzentrierter Zurücknahme und Fokussierung, und gleichsam das musikalische Zeugnis einer Band, die sich ihrer enormen Fähigkeiten bewusst ist und es sich leisten kann, auf so kaltblütige Art mitreißend zu sein.

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