The Unwinding Hours – Forum Bielefeld, 26.10.2010

von Hififi am 31. Oktober 2010

in Feierlichkeiten

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Was wie Phönix aus der Asche aus den Trümmern der alten Band (Aereogramme) neu entsteht, ist absolut bemerkenswert und von einer geradezu sagenhaften Intensität. 2007 verkündete die Band ihre Auflösung, war sie doch den omnipräsenten finanziellen Engpass leid. Mit „My Heart Has A Wish That You Would Not Go“ veröffentlichten die Schotten ein Album, dass bereits erkennen ließ, wohin die Reise musikalisch gehen könnte, abseits der Noise- und Schreiattacken. Durch letzteres hatte sich Craig B anhaltende Stimmbandprobleme zugezogen, weshalb dieses letzte Vermächtnis einer fabelhaften Live-Band sehr ruhig und introspektiv geraten war. The Unwinding Hours führen 2010 diese Tradition nahtlos fort und reduzieren die typischen Postrock-Elemente auf ein Minimum. Dafür aber auch die Langeweile, denn zuvor beweisen uns Instrument aus Bayern, wie besagter Postrock etwas zu eingefahren den typischen Spielweisen entsprechen kann. Obwohl das Zusammenspiel und der gelegentlich eingestreute Gesang lobend hervorgehoben werden müssen, ist es wohl genau die Art Postrock, die langsam wirklich Staub ansetzt.

Craig B hat dieses Schema längst überwunden und bedient sich mittlerweile ganz der Sorte Songwriting die Trends unbeschadet übersteht, sie allerdings auch nicht versucht zu setzen. 70 Minuten perfekter Sound gepaart mit ein paar fast perfekten Songs lassen den ein oder anderen vor Demut erstarren, und wenn nicht, dann doch zumindest anhaltend klatschen. Noise-Eskapaden gab es derer genau zwei, wenn „Knut“ (gleich zu Beginn, wenn ich mich nicht irre) und „The Final Hour“ (letztes Stück des regulären Sets) ihr Finale in schreienden Gitarren suchen. Ian Cook und Craig B sind was das Zusammenspiel ihrer Gitarren angeht seit Jahren ein perfektes Team und das lässt sich gerade in den leisen Momenten sehen, wenn es auf Reduktion ankommt und die Töne bedacht gesetzt werden. Überraschenderweise geht es nach einer kurzen Pause und dem obligatorischen Jägermeister mit Craig B solo weiter, der das verletzliche „Burning River“ vorträgt und es zeitweise merklich still im Publikum wird. Jetzt wird nur noch andächtig gelauscht und jede Unterhaltung käme einer Missachtung gleich. Zu guter Letzt und wieder in Bandbesetzung kommen doch noch Aereogramme zu ihrem Recht: „The Art Of Belief“ darf den Abend beschließen. Schlussendlich soll ein Kompliment ausgesprochen sein, dem Soundmann, der den Abend zu etwas Besonderem werden ließ. Und einer fabelhaften Live-Band, wie es Aereogramme ja auch schon waren.

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1 otic Oktober 31, 2010 um 23:36 Uhr

Deutlich kompakter und lauter war es drei Tage später in Dortmund. Natürlich kein Ersatz für Aereogramme, dennoch atemberaubend.

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