The Thermals – Forum Bielefeld, 18.12.06

von Hififi am 23. Dezember 2006

in Feierlichkeiten

Post image for The Thermals – Forum Bielefeld, 18.12.06

Ein denkwürdiger Abend, an dem es kaum Ansagen gibt, kaum Zeit zum klatschen bleibt und eine atemlose Band einen Hit nach dem anderen auf das Publikum loslässt. Die Thermals sind die Retter des guten, alten Punkrock, oder zumindest hat das Trio aus Portland es verstanden, dieses verstaubte Relikt aus längst vergessenen Zeiten in die Neuzeit zu retten. Das Bielefelder Publikum dankt es ihnen.

Aber vorher gibt es den White Circle Crime Club auf die Ohren: Eindeutig im Noise verankerte Songs (oder sollte ich besser Songfragmente sagen?) machen es dem Zuschauer nicht leicht. Der Sound an sich ist aber eine Erwähnung wert, denn die Synthies klingen wie Gitarren und ersetzen sie streckenweise komplett, singen darf jeder mal, manchmal auch alle gemeinsam, aber etwas unausgegoren klingt es schon. Vielleicht werden wir noch einiges von ihnen hören, vielleicht auch nicht.

In den nächsten 90 Minuten fliegt der Abend in einem atemberaubenden Tempo am Zuschauer vorbei. Hutch Harris sieht dementsprechend gehetzt aus, der Turbo ist längst angelaufen, die Drehzahl am Limit, das Gesicht nassgeschwitzt und verzerrt. Bassfrau Kathy Foster sieht da schon entspannter aus, obwohl sie permanent ihre entzückende Stirn mit ihrer Lockenpracht peitscht. Zwischendurch wird sich artig bedankt, dann geht es auch schon weiter. „How We Know“ und das neue „A Pillar Of Salt“ sind die eingängigsten Eckpfeiler dieser gelungenen Live-Show, und der Sound steht den überdurchschnittlichen Songs in keiner Weise nach. Kein Soundmatsch, wie man ihn schon auf dem ein oder anderen Punkkonzert gehört hat, druckvolle Gitarren und ein glasklarer Gesang bestimmen das Bild. Nach eben diesen 90 Minuten (bzw. vor der ersten Zugabe) heißt es dann: „That´s all we´ve got“. Und dass ist ne Menge!

Share Button

{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 Denis Dezember 25, 2006 um 02:14 Uhr

Man sollte vielleicht noch sagen, das The Thermals an diesem Abend ein Quartett waren – hey, waren das wirklich nur 90 Minuten? Für mich ein monumentales Konzert – da stimmte alles. Erstaunlich, wieviel Schmalz Harris in seine Texte legen kann, wie wenig Variation in Sound und so weiter – aber alles funktioniert, wirkt in keinster Weise wie Pose (noch besser als auf dem Album), größer als die Summe der Ingredienzen.

Dennoch – man sollte sich nicht täuschen lassen, dass die tatsächlich schrecklich netten und unbedrohlichen Thermals nicht anecken würden – „you will go to hell for this song“ ist nur einer der weniger freundlichen, vielleicht noch nicht so ironischen Kommentaren, die sich auf YouTube zu ihrem aktuellen Video finden lassen. So soll das auch sein. Das ist Indie, das ist Punkrock, das sind die Guten. So naiv und wahr kann Rock sein.

Ich denke, wir werden in Zukunft noch einiges von diesen netten jungen Leuten zu hören bekommen – für mich [I]die[/I] Band 2006 und [I]das[/I] Konzert 2006.

Previous post:

Next post: