The Temper Trap – Interview

von Sterereo am 28. August 2009

in Interviews

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Wild wirbeln die australischen Kumpels von The Temper Trap durch das Spiegelzelt. Dougy schreit sich die Seele aus dem Leib, reckt dann das Mirkofon in die jubelnde Menge und zieht verschwitzt ein Zwischenfazit („You guys are creazy!“). Auch Jonathon wirbelt mit seinem Bass, der wie ein Maschinnengewehr in die Hüfte gestemmten ist, wie verrückt hin und her. So abgedroschen es klingt, das Spiegelzelt ging den Aussies in die Falle.

Wie lange läuft The Temper Trap schon als Band?

Jonathon: Fünf Jahre.

Jetzt ist das Debüt „Conditions“ draußen. Was habt ihr so lange getrieben?

Jonathon: Manche hatten einen Job. Andere sind zur Schule gegangen und manche sind zur Schule und Arbeiten gegangen. Manche wurden gefeuert. Ich habe geheiratet! Das war cool.

Glückwunsch

Jonathon: Danke.

Und wer wurde gefeuert?

Jonathon: Ich wurde gefeuert (lacht). Nun ja, ich bin eine eher unorganisierte Person. Ich hätte auch nicht in der Band spielen können und wäre wohl doch gefeuert worden. Ständig habe ich vergessen, dass wir Shows zu spielen hatten, zum Beispiel in Sydney (Die Band stammt aus Melbourne, Anm.). Und so durfte ich auf der Arbeit ständig sagen: „Sorry, ich muss weg!“ Das kam nicht so gut an.

Wo hast du denn gearbeitet?

Jonathon: In einem Donut-Shop (lacht). Der Laden nennt sich Donut-Diner. Vorher habe ich in einem Klamottenladen gearbeitet und es hat mich krank gemacht. Danach wollte ich etwas Einfaches. Und das war einfach!

Wann ging es dann richtig mit der Band los, dass ihr damit Geld verdienen konntet?

Jonathon: Also…

Dougy: Geld? Wie kommst du darauf, dass wir Geld verdienen?!

Jonathon: Genau! Wo ist unser Geld! Her damit!

Ihr spielt umsonst? Mein Geburtstag ist nächsten Monat…

Dougy: (lacht) Hey, dieser Typ ist witzig!

Jonathon: Nun ja, jetzt kommt langsam die Zeit, wo die Rechnung mit Temper Trap aufgeht. Wir sind sehr viel auf Tour. In Deutschland spielen wir Auftritt in Clubs für rund 160 Leute…

Dougy: Ja, diese eine Club-Show das letzte Mal hier war klasse. Wie hieß der Laden? Magnet?

In Berlin.

Dougy: Richtig. Berlin.

Jonathon: Das war doch nicht das letzte Mal.

Dougy: Doch, als Club-Show schon. Glaube ich. Keine Ahnung. Ich weiß von nichts. Glaub ihm einfach.

Ihr seid extra nach London umgezogen. Alle von euch?

Jonathon: Ja, alle.

Dougy: Wir leben zu neunt in einer Wohnung!

Weil’s sonst zu teuer ist?

Jonathon: Das ist ein Grund. Außerdem habe manche von uns ihre Freundinnen und ich bin offensichtlich verheiratet und da sind noch drei ziemlich verrückte, Single-Party-Jungs (grinst zu Dougy).

Dougy: Ja, London hat viele Vorteile. Außerdem ist Australien zu isoliert. Schon aus logistischen Gründen macht der Umzug Sinn, wenn wir diese Ecke der Welt ständig betouren. Der Umzug war schon eindeutig als Schups für die Karriere gedacht.

Dabei seid ihr ewig weit weg von euren australischen Freunden.

Dougy: Das schon, aber du bist nur sieben Stunden von New York entfernt. Zwei Stunden bis zum europäischen Festland. Wir wollten einfach die Zeit investieren um den europäischen Markt für uns zu knacken. Auch indem wir die ganzen Festivals und Shows spielen.

Klappt es? Schaut ihr schon gespannt auf die Verkaufzahlen von „Conditions“?

Dougy: Das machen wir nicht wirklich. Manchmal. Im UK sind wir auf 27.

Jonathon: Auf iTunes sogar auf Platz vier!

Kauft ihr noch CDs?

Dougy: Ob ich noch CDs kaufe? Nee, nicht wirklich. Auch auf den Computer lade ich mir eigentlich keine Musik…

Du hörst also keine Musik?

Dougy: Ich hasse Musik! (lacht) Nein, natürlich nicht. Allerdings habe ich wirklich schon länger nichts mehr gekauft. Eigentlich seltsam, jetzt wo ich so darüber nachdenke.

Ihr seid einfach viel zu beschäftigt mit eurer Karriere!

Dougy: Vielleicht, vielleicht! (lacht) Wenn ich mal Zeit habe, dann genieße ich auch mal etwas Ruhe. Anstatt den Verkehrslärm.

Klingt stressig. Wie sieht so ein Arbeitstag bei euch aus?

Jonathon: Gestern? Wir sind 13 Stunden von Tokio hier her geflogen. Morgen stehen wir wieder um 3 Uhr morgens auf um einen Flug nach Dänemark zu bekommen. Dann dort das nächste Festival, bevor wir nach Haus kommen.

Dann steht ihr trotzdem auf der Bühne und fackelt eine energiegeladene Show ab. Dougy, du hast im Spiegelzelt zum Publikum gesagt: „You guys are creazy!“ Was meintest du damit?

Dougy: Genau wie ich’s gesagt habe, die Leute sind verrückt! Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Wir haben schon einige Male in Deutschland gespielt aber nie so eine Reaktion bekommen. Seid ihr hier auf Drogen, oder so was?

Wahrscheinlich was im Halderner Wasser!

Dougy: Muss wohl!

Wie sieht’s in Australien aus, oder in England. Ist es anders?

Jonathon: Wahrscheinlich schon, überall ist es irgendwie anders aber auch wieder gleich in einer bestimmten Weise. (Verwirrte Blicke von Dougy und vom Interviewer treffen Jonathon) Es hängt auch viel mit den äußeren Einflüssen zusammen! Heute ist großartiges Wetter auf einem super Festival, dann ist die Stimmung natürlich gut und es ist egal, wo du spielst.

Eure Show erinnert mich an ein paar andere Londoner, die mit sehr tanzbarem Indie-Rock für einiges Aufsehen gesorgt haben. Bloc Party. Kennt ihr diese Vergleiche? Was denkt ihr darüber?

Dougy: (schnauft) Ja, diesen Bloc Party-Vergleich hatten wir schon. Ich habe sie noch nie live gesehen? Sind sie wirklich energisch?

Ja, schon. Ich habe sie vor einiger Zeit gesehen und denke schon.

Dougy: Dann muss es wohl stimmen.

Jonathon: Ja, wenn sie was drauf haben, wird’s stimmen (lacht).

Welche Einflüsse habt ihr so?

Dougy: Auf jeden Fall Radiohead. TV on the Radio und zuletzt viel Prince.

Du singst auch ziemlich hoch, Dougy, warst du von Anfang an der Sänger oder musstest du das singen erst lernen?

Dougy: Und ich lerne es immer noch!

Jonathon: Dougy hat die Band ins Leben gerufen, also durfte er sich wohl die Position aussuchen. (beide lachen)

Habt ihr eine starre Struktur in Band? Einer organisiert die Weiber, der andere das Bier und solche Geschichten?

Dougy und Jonathon lachen.

Dougy: (ruft) Genau das ist das Problem in dieser Band! Es gibt keine Struktur!

Gerade du als frisch ausgemachter Bandleader solltest das ändern!

Jonathon: Dabei haben wir einen Posten schon besetzt. Es gibt immer jemanden in einer Band der den Wagen packt. Es gibt immer einen Band-Packer.

Wer ist es bei euch?

Jonathon: Lorenzo! Unser Gitarrist.

Was ist deine Aufgabe, Jonathon?

Dougy: Er ist der Band-Sykper! Er telefoniert über Skype den halben Tag! (lacht). Nein, er ist die moralische Instanz der Band.

Jonathon: Ich bin einer der Guten. Der „Goody-Goody“. Aber so richtig definierte Rollen haben wir gar nicht.

Mir ist noch aufgefallen, dass du den Bass so weit nach oben hältst. Fast wie Tom Morello seine Gitarre.

Jonathon: Als Dougy entschieden hat eine Band ins Leben zu rufen, hat er mich eingeladen mitzumachen und ich musste erstmal Bass lernen. Ich hab’s mir so angewöhnt. Zugegeben, es sieht nicht besonderes cool aus.

Dougy: Hält nicht Paul McCartney seinen Bass auch so hoch?

Ja, richtig.

Jonathon: Dann ist es wieder cool! (lacht) Ich habe außerdem so ein Thumb-Pick (ein Plektrum, dass auf den Daumen geschoben wird, Anm.), damit ich mich nicht aufs Festhalten konzentrieren muss…aber eins beschäftigt mich jetzt gerade noch. Dougy, was ist deine Aufgabe in der Band?

Dougy: (überlegt) Vielleicht der Aufseher?

Danach beschäftigen sich jedoch Jonathon mit der Durchsicht der geschossenen Konzertbilder aus dem Spiegelzelt. Auch diesmal dokumentiert in einem Youtube-Video.

Fotos: Myspace und Martin Lehmann

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