The Tamborines / The Fine Arts Showcase, Gleis 22 Münster – 30.01.10

von am 5. Februar 2010

in Feierlichkeiten

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Ein schneebedeckter Abend mit unkaputtbarer Musik für Indie-Kenner und –Einsteiger bot das Gleis 22 an diesem Samstag in üblich wilder, aber geschmackssicherer Paarung. The Tamborines folgen dem Weg, den bereits hunderte Bands zuvor gegangen sind, nämlich den von Proto-Noiseband Velvet Underground. Es ist schon erstaunlich wie viele Künstler sich aus diesem wegweisenden, aber doch limitierten Fundus bis heute bedient haben und zum Teil selbst zu Legenden wurden: Joy Division, The Jesus And Mary Chain, Black Rebel Motorcycle Club, The Dandy Warhols, The Warlocks, The Raveonettes oder jüngst erst The XX. Alle teilen miteinander eine mehr oder minder aufgesetzte überzogene Coolness aus schwarzer Kleidung, dunklen Sonnenbrillen. Musikalisch gibt es in ohrenbetäubenden Lärm ertränkte Melodien mit viel Hall und Feedback. The Tamborines stehen im Zentrum dieses dunklen Kaleidoskops, klingen mal nach VUs „I Can’t Stand It“ mal nach „Bohemian Like You“. Damit keine Missverständnisse aufkommen wird JDs „Transmission“ gecovert. Das alles wirkt auf der Bühne noch etwas verschüchtert und zurückhaltend, aber dennoch raumfüllend und abwechslungsreich – soweit es der eng gesteckte Rahmen zulässt. Nichts Neues an dieser Rock’n’Roll-Front, aber zumindest was Junges und Lautes – und darauf kommt es hier nur an.

The Fine Arts Showcase überraschen mit ihrer Solidität. Im Vorfeld ließ sich zumindest ein mittleres, exzessives Chaos erwarten, zumal Christian Kjellvanders kleiner Bruder Gustaf aussah, als würde er jeden Moment vom Bühnenrand kippen. Zwischendurch stützt man sich gegenseitig, was der Musik aber keinen Abbruch tut. Weniger düster als auf Platte gibt es leicht angestoßenen, aber stets großspurig-souveränen Indierock. Typisch skandinavisch, typisch Kjellvander. Zwischendurch klingt das Ensemble aus Schwedens drittgrößter Stadt Malmö allerdings bemerkenswert konventionell nach Byrds und REM, was heißt, dass vor aller anklingender Schrägheit stets die Melodien dominieren: Oft melancholisch, aber nie deprimierend; durchgängig kraftvoll, aber selten eruptiv. Mit einem an diesem Abend gefühlte 30-mal gehörten „Ihr seid ein wunderschönes Publikum“, entlassen The Fine Arts Showcase ihr Publikum in die klirrende Kälte. Vielleicht liegt es am Alkohol, vielleicht am nun glühenden Herzen: Kalt ist einem jetzt nicht mehr.

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