The Soft Pack – dto.

von Pynchon am 17. Februar 2010

in Musik!

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Aus dem sonnigen San Diego kommt mit “The Soft Pack” – benannt nach einem Dildo, nachdem sie wegen ihres ursprünglichen Namens „The Muslims“ in den USA angefeindet wurden – eine neue vierköpfige Band, deren gleichnamiges Debut vom Label bereits als „best rock-garage-pop-punk debut of the year“ ordentlich gehyped wird. Da wird ja schon mächtig auf die Kacke gehauen, vor allem wenn man bedenkt, dass uns noch bescheidene elf Monate voller musikalischer Neuerscheinungen bevorstehen. Immerhin, so verrät die Presse-Info, haben die Jungs schon im Vorprogramm solch namhafter Bands wie „The Breeders“, „The Last Shadow Puppets“ und „Bloc Party“ gewirkt.

Mein boshafter Drang, den overhypten Grünschnäbeln mal ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, zerstreut sich nach den ersten Takten sehr bald – und weicht bis zum Ende des nur etwa dreißig Minuten kurzen Albums staunender Begeisterung – kein Zweifel, das ist ein blitzsauberes, schwungvolles und packendes Stück poppiger Garagen-Rock, der mich gleich an mehrere Bands erinnert: Arctic Monkeys, Kaiser Chiefs, The Fratellis oder auch Everclear (die nach einem verheissungsvollen Durchbruch mit „Sparkle and Fade“ allerdings rasch verglühten).

Mit „C´mon“ wird schon einmal die Richtung vorgegeben: Ein eingängiger Gitarren-Riff, flottes Tempo, melodisch-hymnischer Gesang und eine knackige Kürze, die sich sowohl am 60´s-Pop als auch am reduzierten Punk orientiert. Epische Länge und ausufernde Improvisationen sind hier offensichtlich fehl am Platze – alles treibt temporeich voran und hat bereits nach dem ersten Hören unverkennbar Ohrwurm-Potential. „Answer to yourself“ ist beispielsweise ein solches Stück, das zwar das Rad nicht neu erfindet und deutlich an New Wave-Vorbildern orientiert ist, sich jedoch widerstandslos auf der Oberstübchen-Festplatte einbrennt.

„Move along“ reanimiert die „Kinks“, während „Pull Out“ und „Flammable“ die Gitarren jaulen lassen, als hätten soeben die 80er begonnen und aus dem Sex Pistols-Punk sei etwas ausgereifteres, musikalisch Anspruchsvolleres entstanden. Erstaunlich, wie die Newcomer von „The Soft Pack“ scheinbar mühelos verschiedenen Genres huldigen und sich dabei nicht im Geringsten Retro, sondern unverbraucht und originell anhören.

Es gibt aus „The Soft Pack“ unter den zehn Stücken tatsächlich keinen Hänger, alles treibt makellos und mitreißend voran und verlangt sofort (nicht zuletzt aufgrund der nur dreißig Minuten Laufzeit) ein zweites, drittes Hören.

Herausheben aus dem großen Ganzen will ich neben „Answer to yourself“ – auch wenn es schwer ist bei der Qualität des Gesamtwerks – das einzige etwas langsamere Stück „Mexico“, das mit seiner hypnotischen Surf-und-Weed-am Strand-bei Sonnenuntergang-Stimmung die ganze Songwriter-Klasse der Band aufzeigt.

Egal, was in diesem Jahr noch auf den Markt geworfen wird, „The Soft Pack“ haben mit ihrem Debut mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eines der mindestens 10 besten Alben dieses Jahres produziert – und womöglich auch das beste Debüt!

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