The Science of Sleep

von Hififi am 16. Oktober 2006

in Film ab!

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Nach „Vergiss mein nicht“, seinem Ausflug nach Hollywood, ist Michel Gondry wieder in Frankreich angekommen. Für „The Science of Sleep“ schreibt Gondry erstmals allein das Drehbuch und holt sich mit Gael Garcia Bernal und Charlotte Gainsbourg zwei aufstrebende Jungschauspieler ins Boot, die Jim Carrey und Kate Winslet mehr als würdig vertreten. Der Musikvideo-Regisseur (unter anderem für Björk und Radiohead) packt für seinen neuen Film wieder die alte Videoclip-Ästhetik aus und überrascht mit rasanten Schnitten und surrealen Bildern.

Der junge Mexikaner Stéphane (Gael Garcia Bernal) zieht nach dem Tod des Vaters zu seiner Mutter nach Paris, die ihm einen Job als Grafikdesigner für Kalender beschafft. Bereits am ersten Arbeitstag versucht Stéphane seinen Chef von der „Disastrology“, einem Kalenderentwurf von kindlich gezeichneten Katastrophen (z.B. einem Flugzeugabsturz), zu überzeugen. Kurzerhand wird ihm verständlich gemacht, dass „Titten sich besser verkaufen“. Thema erledigt. Genauso wie der Traum von der eigenen Kreativität. Als Konsequenz daraus zieht sich Stéphane zunehmend aus der Realität zurück und erscheint nur noch sporadisch an seinem Arbeitsplatz. Einzig Arbeitskollege Guy (Alain Chabat) hält ihm den Rücken frei, selbst leicht exzentrisch ist er der Einzige der den Jungen zu verstehen scheint und erkannt hat, dass Stéphane dabei ist, sich bis über beide Ohren zu verlieben. Schließlich tritt kurz nach seinem Einzug Stéphanie (Charlotte Gainsbourg) in sein Leben und bezieht die Wohnung gegenüber. Beide verbindet eine fast grenzenlose Phantasie und ihre Einsamkeit. Immer mehr zieht sich der frustrierte Stéphane in eine Traumwelt zurück, die er nicht mehr kontrollieren kann. Schon bald entsteht eine Parallelwelt, die er von der Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden kann.

Vor allem abwechslungsreich ist „The Science of Sleep“: der Handlungsstrang wird durch etliche Traumsequenzen konterkariert, die Stéphanes grenzenlose Phantasie wieder spiegeln, aber gleichzeitig auch seine Angst vor dem Leben. Die eher kalten Bilder des Pariser Großstadtlebens und seines tristen Arbeitsalltags, werden durch die surrealen Traumwelten aus Pappmaché völlig verdrängt. Nur wenn Stéphane seine Innenwelt nach außen kehrt, und so Stéphanies Herz erobert, vermischen sich die beiden Welten. Gael Garcia Bernal verleiht seinem Filmcharakter die gebotene Authentizität, legt ihn als naiven Kindskopf an, der in einem Erwachsenenkörper gefangen ist. Jeder von uns verspürt hin und wieder den Wunsch wieder Kind zu sein, um so mehr überrascht Bernal mit seiner scheinbar mühelosen Darstellung des Stéphane. Auch Charlotte Gainsbourg brilliert in der Rolle der melancholischen Stéphanie, die in ihrem Nachbarn eine Seelenverwandschaft wittert, sich aber nicht an sein sprunghaftes Verhalten gewöhnen kann.

Der Film ist übrigens dreisprachig: Stéphane spricht eigentlich spanisch, beherrscht aber die französische Sprache nur bruchstückhaft, und so unterhalten sich die Protagonisten zumeist auf Englisch (was dann aber in der deutschen Fassung synchronisiert wurde). Das nur als weiteres liebenswertes Gimmick eines äußerst sehenswerten Films.

Wer dachte Robin Williams-Filme wären phantasievoll, der hat die Rechnung ohne „The Science of Sleep“ gemacht.

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1 alex Oktober 19, 2006 um 09:34 Uhr

das hört sich doch mal gut an. den film wollte ich mir auch noch ansehn 🙂

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