The Raveonettes – Gebäude 9 Köln, 28.11.07

von Ariane am 5. Dezember 2007

in Feierlichkeiten

Post image for The Raveonettes – Gebäude 9 Köln, 28.11.07

Laut eigener Aussage seit Jahren endlich wieder in Deutschland – The Raveonettes. Das Köln-Konzert ist der Auftakt der Deutschland Tour, mit im Gepäck und wohl einer der Hauptgründe, warum Sune und Sharyn sich daran machen deutsche Ohren und Gemüter mit ihren 60s / 70s angehauchten 80er-Jahre-Klängen zu verzücken, das gerade frisch erschienene Album „Lust Lust Lust“.

Diejenigen, oder besser die wenigen, die sich an diesem Abend unter der Woche im Kölner Gebäude 9 eingefunden haben erwartet großes, ein zwar vielleicht wenig spektakuläres Konzert, dafür aber eines, das einem wegen der verträumten Atmosphäre noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Großteil des Publikums scheint auch nicht aus dem „gemeinen“ Musikliebhaber zu bestehen, sondern vielmehr aus denen, die diese Leidenschaft mehr oder weniger zu ihrem Beruf gemacht haben. Bei noch keinem anderen Konzert habe ich bisher so viele Kugelschreiber über so viele Notizblöcke fliegen sehen. Eine Tatsache, die dem eigentlichen Konzert nichts an Qualität genommen an, im Gegenteil.

Circa 100 Leute werde es gewesen sein, die nicht nur dem Support Kurt10 aus New York lauschen durften. Kurt10 eine aus 2 Personen bestehende, für das 21. Jahrhundert vielleicht etwas gewöhnungsbedürftige Band. Jedoch eine, die sich mit Leib und Seele dem düsteren Techno / Rave der 80er Jahre verschrieben hat – böse Zungen würden die rein instrumentale Darbietung als eintönig und langweilig bezeichnen, oder gar Anspielungen auf Super Mario oder gar Sonic the Hedgehog Melodien fallen lassen. Fakt ist aber, dass Synthie-Player und Drummerin eine runde Show abgeliefert haben, an der sich allerhöchstens die Geschmäcker scheiden, allerdings nicht das offene, aufmerksame Ohr der anwesenden Kugelschreiber- und Notizblockschwinger.

Nach einer kurzen Umbaupause betreten recht verhalten die Raveonettes die Bühne. Sharyn in rotem Kleid und mit wasserstoffblonden Haaren, Sune, abgesehen von den Bündchen seines Pullies, ganz in schwarz. Insgesamt eine Erscheinung, die einem irgendwie bekannt vorkommt. Ob man es sich eingestehen mag oder nicht, das Bild des jungen Robert Smith in den 80er Jahren schleicht sich einem immer wieder vor das innere Auge. Zugegeben, man kann Robert Smith nicht kopieren – wäre dies jedoch ein Wettbewerb, so würde Sune diesen mit großem Vorsprung gewinnen. Zusätzlich steht (ja steht) noch ein Drummer mit auf der Bühne. Zwei Menschen, egal wie talentiert, können ja nun nicht alles auf einmal spielen. Womit wir beim Thema wären. Wer beim Hören des neuen Albums mit mindestens einem Keyboard auf der Bühne gerechnet hat, wird enttäuscht, oder überrascht sein, wie man es nimmt. Nicht nur die Geräuschkulisse, die der vielleicht unwissende Hörer dem Keyboard zuordnen würde, nein, auch das immer wieder zu hörende Glockenspiel wird mittels Leadgitarre erzeugt. Dementsprechend vielfältig ist die Auswahl an Schaltern, Reglern und Pedals, die Sune zur Verfügung stehen.

Insgesamt wurde eine gute Mischung aus allen bisher erschienenen Alben und EP’s gespielt, was insgesamt ein Set von 17 Songs ergab. Der Schwerpunkt lag aber, wie zu erwarten war, auf dem neuen Album. „Dead Sound“, einer der wohl herausragendsten Songs der Platte wurde direkt als zweites gespielt.

Geredet wurde vergleichsweise wenig. Jedoch wurde hierdurch eine Art Spannung erzeugt, zu der auch die immer passende Beleuchtung und die Intensität eben dieser ihr übriges beigetragen haben. Nach etwa zwei Dritteln des Sets kündigten die Raveonettes ein Cover an. Persönlich hätte ich zwar mit dieser Wahl nicht gerechnet, aber bei genauerem Nachdenken machte „French Disco“ von Stereolab Sinn und erschien absolut einleuchtend. „Ghost Rider“ hat das Publikum noch einmal richtig aufgewühlt und dazu beigetragen, dass die Band nach dem vermeintlich letzten Song „Aly Walk With Me“ unter begeistertem Beifall zurück auf die Bühne komplimentiert wurde. Zwei weitere Songs sollten folgen, die laut eigener Aussage der Band nicht annähernd so gut, wie der eigentlich letzte Song seien. Solange man mehr von dem bekommt, was den Abend wie im Flug vergehen ließ, nimmt man auch gern den einen oder anderen Makel in Kauf.

Wie nur 100 Menschen im Gebäude 9 zu einer einzigen Masse verschmelzen können ist mir immer noch ein Rätsel. Passiert vermutlich nur, wenn eine Band mit homogenem Sound und fast sphärischen Klängen es schafft eine Masse in Trance zu versetzen und sich fast selbst in eine solche spielt. Man sieht an diesem Abend, wie die Masse den teilweise so gezwungenen Individualismus der Zeit / der Indie-Szene, fallen lässt und sich für gute 75 Minuten einfach nur in die Klangteppiche der Raveonettes fallen lässt. Noise-Pop, eine ganz passende Beschreibung der Raveonettes, die obwohl es der Name zunächst vermuten lässt, so viel nicht mit Rave am Hut hat.

Die Setlist (zumindest laut Aussage von Sune) noch einmal zum nachlesen:

Hallucinations

Lust

Dead Sound

Black Satin

Blush

Expelled From Love

With My Eyes Closed

That Great Love Sound

Let’s Rave On

Here Comes Mary

Red Tan

Love In A Trashcan

Attack Of The Ghost Rider

My Tornado

French Disco

Noisy Summer

Aly, Walk With Me

Ende des regulären Sets.

Chain Gang Of Love

Do You Believe Her

Konzertfotos in der Galerie >>

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: