The Notwist – Forum Bielefeld, 17.04.10

von Hififi am 29. April 2010

in Feierlichkeiten

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Es gibt heutzutage zwei Sorten Notwist-Hörer: Die Alteingesessenen, die auch heute noch der Frühneunziger-Bandphase nachhängen (vor allem „Nook“ und „12“) und die „Shrink“-Anhänger, die die Zäsur im Gesamtsound mit offenen Armen empfingen. Das schöne an Notwist-Konzerten ist, dass wiederum alle auf ihre Kosten kommen, obwohl der überwiegende Teil der Songs vom 2002er Meilenstein „Neon Golden“ und dem nicht minder großartigen, aktuellen Longplayer „The Devil, You + Me“ stammen.

Die Weilheimer sind mittlerweile wohl die beste deutsche Indipendent-Band und erfreuen sich dementsprechend reger Beliebtheit. Zudem beehren The Notwist recht selten Ostwestfalen, was zu einem berstend vollen, weil ausverkauften Forum führt. Mindestens 600 Leute die gespannt auf die Acher-Brüder und Martin Gretschmann alias Console warten, während erst einmal die durchaus sehr interessanten Portmanteau ihr rein instrumentales Set absolvieren. Kurz gesagt: Elektronik mit Schlagzeug aus München, interessant vorgetragen, weniger auf Krawall gebürstet als die großartigen Holy Fuck aus Kanada dafür aber mit psychedelischen Ambient-Melodien – also kaum weniger großartig.

Um ca. 22.30 Uhr, als die Spannung allmählich mit Händen greifbar scheint, stehen sie auf einmal auf der Bühne. Noch nie ein Fan großer Reden informiert Markus Acher das Publikum, es möge ihm seine stimmlichen Probleme entschuldigen, er sei erkältet. Aber wegen der unterhaltsamen Ansprachen ist niemand hier. Passend hierzu das nicht vorhandene Stageacting und die totale Fokussierung auf Song uns Instrument. Einzig Gretschmann gibt Anlass zum Staunen, da er mit seinen beiden Wii-Controlern wahlweise Samples variiert oder Effekte wie Hall oder Reverb einbaut. Es sieht jedenfalls kurios aus und hört sich ebenso an und die Frage nach seinem Pseudonym Console sollte hiermit auch geklärt sein. Wenn sich von Hits sprechen lässt, so bekommen wir sie geboten, alle: „Pilot“, „Pick Up The Phone“, „Consequence“ um nur die von „Neon Golden“ zu nennen. Denn den Nachfolger gibt es fast komplett. Und wenn ich eben von verschiedenen Fangruppen schwadroniert haben, so eint so doch alle ihr Faible für krachige Noise-Passagen und Consoles Elektro-Frickelsound, denn das sind Notwist live, das macht sie so besonders und deshalb ist ihnen niemand böse, wenn sie sich nach anderthalb Stunden praktisch wortlos verkrümeln und wahrscheinlich die Hälfte der anwesenden Zuschauer eh nichts gesehen hat. Es gibt nicht viele Bands, die sich so etwas erlauben können.

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