The Nest – Music For Drivers

von JonesKorn am 12. September 2012

in Musik!

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Sowohl der Albumtitel „Music For Drivers“ als auch die Zusammensetzung von The Nest führen zunächst wohl in die Irre: wird eine Kombination aus den Teilen Bohren & Der Club Of Gore, Desmond Denker sowie Tannhäuser Sterben & Das Tod gebildet, muss man nicht als erstes an einen Leisetreter mit derart ausgefeilter, doch immer wieder entspannter Geräuschkulisse denken.

Und: mitnichten kann man dies im Auto dahinplätschern lassen und sich dadurch in einen wohligen Fahrrausch manövrieren, der einen die Rückenschmerzen nach vier Stunden Autobahn vergessen lässt. Die vier einzelnen Stücke bringen es auf ordentliche 62 Minuten Klangexperiment, in dem sowohl instrumentengeborene als auch alltagsgeborene Geräusche gekonnt verwoben werden. Das erfordert aber geradezu die Aufmerksamkeit des Hörers, will man nicht zur Überzeugung gelangen, hier sei nur eine Stunde Krach aufgenommen worden.

Schenkt man The Nest die notwendige Aufmerksamkeit, wird man mit schönem Kopfkino belohnt, fährt beispielsweise in „Second try“ scheinbar vom lärmenden Flughafen einer pulsierenden Großstadt – und da glaubt man auch einen Muezzin rufen zu hören – raus aus dem beengenden Getummel eines Verkehrskollaps. Vielleicht an die Küste, an einen schönen Strand.

Zwischen den Noiseeinlagen finden sich immer wieder Saxophonstücke und Melodiefetzen, die einen kurzzeitig erden und auf die nächste Geräuschattacke vorbereiten. Dennoch, disharmonische Synthesizereffekte überwiegen, das ganze ist deutlich experimentierfreudig und improvisationsgeladen und will zeitweise verstören.

Trotzdem lädt es ein zum Abschweifen in den erzeugten Klängen, zum Erdenken eigener Geschichten und Bilder. Und die kehren beim nächsten Hören unweigerlich wieder.

Gekonnt.

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