The National – Prime Club Köln, 27.11.07

von Sterereo am 28. November 2007

in Feierlichkeiten

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„Hoffentlich spielen die von ‚The National’ nicht auch so überflüssigen Krach“, mokiert ein scheinbar sensibles Mädel in meiner unmittelbaren Umlaufbahn und kassiert dafür mindestens (m)einen irritierten Blick. Stein des Anstoßes ist das „Grand Finale“ des Vorturners „Hayden“, gedröhnt vom Meister selbst und der halben Belegschaft der Helden des Abends. Allerdings zuviel Lärm (um den Lärm), denn die Melancholisten von „The National“ beherrschen die leisen und lauten Töne perfekt, und somit auch im Handumdrehen den „cosy“ Prime Club nach belieben.

(Paul) „Hayden“ (Desser) könnte äußerlich ein Bob Ross-Double sein, doch die musikalische Ähnlichkeit liegt augen- und ohrenscheinlich bei einem anderen Bob. Weil der Mensch leider nur mit zwei Auswüchsen zu jeder Körperhälfte gesegnet ist, hat er ganz bobdylanisch nebst Klampfe auch das AOK-Mundharmonikagestell umgeschraubt. So ein Metallgerüst erweckt schon mal den Eindruck als decke die Krankenversicherung nicht den Kieferorthopäden ab, doch genug der Äußerlichkeiten, unter der unrasierten Oberfläche befindet sich nämlich ein Singersongwriter der ersten Güte und alten Schule; So alt, dass der Herr Kanadier vor gerade einmal 13 Jahren ebenfalls in der Domstadt aufspielte. „Wie doch die Zeit vergeht“, mag da einer denken, und deshalb wurde nach dem dezenten, aber mancherorts als ärgerlich eingestuften, Abschiedskrach das Kassengestell abmontiert und die musikalische „National“-Guards-Hilfsmannschaft durfte sich ebenfalls für wenige Minütchen Ohrenentspannung zurückziehen.

Denn dann schlenderte die, ganz dem Dresscode des Abends entsprechend in schwarz gehüllte, Mannschaft um Frontbariton Berninger vor die Kölner Versammlung. Angesichts der ernüchternden Wettvorhersage und fürchterlichem Novemberwetter mag hier manch düsteres Gemüt sich auf schwermütige Songkost für die Winterdepression „gefreut“ haben. Doch erstaunlich weit gefehlt. Abseits ihrer Platten sind die Chefmelancholisten von „The National“ eine Indie-Rock-Band die in Fleisch und Blut einiges an Düsternis verliert, aber dafür beherzte Energie freisetzt. So klopft Matt Berninger vor Verzückung in bester „Rainman“-Manier die Handballen aneinander und wippt auch sonst musterautistisch im Takt der Musik. Gegen das Asperger-Syndrom spricht allerdings der Mann selbst, denn er zeigt sich gar geschwätzig. Die Ansagen der Songs gleichen kleinen Erörterungen, dass selbst langjährige Bandkollegen ins Rätsel kommen („Normally he talks this much in three years“). Selbst ein quengeliges „Shut up!“ aus dem Zuschauerraum wird angesichts dieser Redefreudigkeit lediglich belacht. Neben den spaßigen Geschäker auf der Bühne soll schließlich die Musik für sich sprechen, und das tut sie: „Mistaken For Strangers“ überrascht live mit treibendem Beat und hymnischen Refrain und „Abel“ ist sowieso eine Bank, inklusive Geschrei, dass dem Matt fast die Birne wegplatzt. Gediegenere Stücke geben etwas Zeit zum Verschnaufen. Dann übernimmt der schmale Zauberer mit Geige, den die Band „Ginger Pants“ getauft hat, obwohl er mehr nach Gilligan (von der Insel) aussieht. Für die Streicherbombast vom Übertrack „Fake Empire“ zeigt sich also alleinig „Ginger Pants“ zuständig und fiedelt dermaßen virtuos, dass man jederzeit mit seinem Herzinfarkt rechnet. Textsicher wird der Opener des martialisch betitelten „Boxer“-Jüngstwerks abgefeiert, zwar ohne Bläser, dafür aber inbrünstig gespielt. Gitarrist Bryce Dessner quetscht sich hierzu zwischen Box und Decke und Minuten später, während der Zugabe, kuschelt auch Sänger Berninger mit dem Lüftungsschacht, bevor in einer grandiosen, breiten, ausufernden, und so ganz und gar nötigen Lärmorgie der Abend für beendet erklärt wird. Schön war’s, und zum Glück lauter als gedacht.

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1 RockinBen Dezember 3, 2007 um 16:47 Uhr

Ja ja, die kleinen Mädchen gehen zu ner Rockband und beschweren sich über laute Musik… Ist ungefähr so, wie wenn man zu nem Ärzte-Konzert geht und in der Schlange am Einlass beschweren sich genau die, die aussehen wie die letzten echten Punks, über „aktives Anstellen“

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