The Miserable Rich – Falkendom Bielefeld, 20.11.2010

von Hififi am 30. November 2010

in Feierlichkeiten

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The Miserable Rich sind eine ganz und gar außergewöhnliche Band. Und damit sei noch nicht einmal nur die beängstigende Qualität der Songs gemeint sondern deren Instrumentierung. In bester Kammer Orchester-Besetzung und mit einem begnadeten Sänger gesegnet, hält das Quintett aus Brighton sämtlich jemals gegebenen Versprechen.

James de Malplaquet darf sich jedenfalls nahtlos in eine Reihe mit Ausnahmesängern wie Neil Hannon von The Divine Comedy oder Olly Knights und Gale Paridjanian von Turin Brakes stellen. Die Einen haben den Namen und eher enttäuschende aktuelle Outputs vorgelegt und The Miserable Rich die Songs und trotzdem kennt sie hierzulande keine Sau. Mit den allseits abgefeierten Anthony And The Johnsons sei ihnen der Kammerpop gemein und unter solchen Voraussetzungen die Garantie für einen ausgesprochen intensiven November-Auftritt, der die aufkeimende Tristesse des grauen Bielefelder Alltags für ca. 90 Minuten vergessen lässt. Schon allein dafür ein herzliches Dankeschön! Der Falkendom ist leider nicht annähernd so gut gefüllt wie es angemessen gewesen wäre, und dass obwohl der Lokalbarde Ron Diva ja sicher den/ die ein oder Andre(n) mitgebracht hat, aber die Spielfreude ließen sich die Briten dadurch nicht abspenstig machen. Das reguläre Set beinhaltet bereits das unbeschreibliche „Let Me Fade“ (dazu bitte unbedingt das Video schauen!) und eine Version von „Sweet Dreams“ von Eurythmics, bis es für zwei Zugaben direkt und ohne doppelten Boden verstärkter Instrumente und Mikrofone direkt vor die Bühne ins Publikum geht. Eigentlich hätte es diesen ungemein intimen Moment der Hingabe zwischen Künstler und Zuschauer fast nicht mehr gebraucht, um diesen Abend langfristig im Gedächtnis zu behalten, aber so geht er der Perfektion entgegen. In Ermangelung blendenden Gegenlichts nutzt de Malplaquet die Gunst der Stunde und studiert eingehend die Gesichter der Anwesenden und die verraten durchaus angedeutete, ostwestfälische Entrücktheit.

Was lässt sich über eine Band sagen, die zwar irgendwie Indie macht, dafür aber die Stromgitarren durch Cello, Kontrabass und Geige ersetzt? Doch zumindest, dass sie Mut beweisen, aber der wird genährt durch die Raffinesse der Songs und die Versiertheit der Musiker. Mit Sicherheit eines der besten Konzerte, die Bielefeld in diesem Jahr gesehen hat.

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{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 sisilein Dezember 3, 2010 um 20:29 Uhr

Ick kenn die 😉 Live ein wahres Erlebnis.

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