The Mary Onettes – Bunker Ulmenwall Bielefeld, 19.11.09

von Hififi am 25. November 2009

in Feierlichkeiten

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In Sachen Indiepop wurden schon so einige Säue durchs Dorf getrieben und es scheint kaum etwas so schwer, wie Nachhaltigkeit in einem Genre zu etablieren, das offensichtlich noch schnelllebiger ist, als wir das im Mainstream-Bereich bereits gewohnt sind. Nehmen wir einmal Athlete, die mit „Tourist“ ein nahezu perfektes Britpop-Album vorgelegt haben, mittlerweile floppt bereits das zweite Werk in Folge. Oftmals ist es nicht einmal die Qualität die abnimmt, nur scheint es so zu sein, dass den Hörern ein perfektes Album pro Band/ Artist ausreicht. Und manchmal ist es eben doch die Qualität die leidet. Nun steht seit ein paar Wochen „Islands“ in den Läden und muss sich beweisen, denn zweite Alben haben es aus eben genannten Gründen schwer zu bestehen. Die Voraussetzungen sind jedenfalls erfüllt: „Islands“ atmet durch jede Pore Melodie.

Auch The Mary Onettes konnten schon zwei Songs in der US-amerikanischen Seifenoper Grey’s Anatomy unterbringen. Im Falle von Ingrid Michaelson war das der Weg zum Erfolg, sie hat aber auch einfach mehr Potential zum Role Model der bebrillten Indie-Girlies. Die Band aus Schweden ist dahingehend nahezu ungeeignet, man muss nur Philip Ekströms Haupthaar betrachten, das aussieht, als habe es seit Wochen kein Wasser gesehen. Aber wen interessiert das schon? Als um ca. 22 Uhr The Mary Onettes die Bühne betreten ist sie bereits von allen Seiten gut belagert, sodass eine einwandfreie Sicht auf die fünf Schweden durchaus nicht garantiert ist. So anheimelnd die Wohnzimmer-Atmosphäre des Bunkers sein mag, so verwinkelt ist er auch und ab geschätzten fünfzig Besuchern wird es irgendwann kompliziert sich einen annehmbaren Platz vor einer der Bühnenseiten zu sichern. Dafür ist es aber schön voll geworden und dass hat sich der Mainact des Abends wirklich verdient und enttäuscht (um es vorweg zu nehmen) zu keine Zeit. Ihre knapp anderthalbstündige Darbietung (die Zugabe mit eingerechnet) stellt einen gekonnten Querschnitt des Besten dar, was die 80er zu bieten haben. Den Synthesizer wenig dezent einsetzend, erinnern sie gerne an The Cure und Echo & The Bunnymen, zumindest ist Ekström einer der Sänger, die es mit Robert Smith aufnehmen können. Zugegeben, dass ist seit ein paar Jahren keine innovative Neuerung mehr und schon deshalb befinden sich The Mary Onettes in unmittelbarer Nachbarschaft zu ihren Landsleuten von den Shout Out Louds. Und auch der bescheidene, wie zurückhaltende Auftritt scheint typisch nordisch zu sein, sich aufs Wesentliche beschränkend, immer die Musik in den Fokus rückend. Deshalb kommt es, wie es kommen muss: Es wird anhaltend applaudiert und es sind sich wohl so ziemlich alle Besucher dieses Konzertabends sicher, heute ihre Zeit nicht vergeudet zu haben.

Ich möchte zuletzt Frame Of Mind aus Detmold nicht unterschlagen, die sich zuvor durch ein halbstündiges Set launiger Retro-Songs spielen. So wenig eigenständig das Songwriting, umso sympathischer der Auftritt und ich will ihnen gar nichts Böses, wenn ich behaupten möchte, dass es bald Zeit wird, den eingefahrenen Weg der eingängigen, wie stellenweise etwas beliebigen Rocksongs zu verlassen und Neuland zu entdecken. Ich denke schon, dass sie das könnten.

Foto: myspace.com/themaryonettes

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