The Mars Volta – Stahlwerk Düsseldorf, 29.06.09

von Sterereo am 1. Juli 2009

in Feierlichkeiten

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„Open Door Policy“, so nennt es Cedric Bixler-Zavala während einer Atempause zwischen zwei erlebten The Mars Volta-Songspektakeln. Meine Mutter hätte es wohl Stoßlüften genannt, denn wie von der Band diktiert sind alle Türen sperrangelweit auf. Vorne in der Fanmasse im Düsseldorfer Stahlwerk kriegt von der klimatischen Rettungsaktion allerdings sowieso keiner was mit und ergibt sich ins schweißnasse Schicksal.

So wurde es eine feucht-dreckige Rock’n’Impro-Show, wobei dreckig vor allem der Sound war. Cedric Bixler-Zavalas dröhnende Fistelschreie schafften nur knapp den Dreh, bevor sie endgültig nach dem Hair-Metal-Kriegsgeschrei eines Axl Rose verkommen wäre. Auch sein Ex-At the Drive-In-Blutsbruder Omar Rodriguez-Lopez kämpfte mit seiner glänzenden E-Gitarre gegen das Gewaber der Fabrikhalle an. Davon weitgehend unberührt prangert am äußeren Bauzaun noch das Artwork zum mystischen „The Bedlam in Goliath“ an den Tourplakaten, obwohl seit wenigen Tagen „Octahedron“ zu haben ist. Absicht? Denn nachdem Cedric Bixler-Zavala die zum Aufmarsch in die Höhe gereckte Baguette-Stange zur Seite legte (oder verfütterte?) entfesselte sie das Biest namens Mars-Volta-Show mit besagtem „Goliath“. Wie besessen hüpft der singende Lockenkopf vom ersten Anschlag an umher, geht (fast) in den Spagat und steht in der selben Sekunde bereits in großer Rock-Pose vor der grölenden Meute. Dabei peitscht er das Mikrofonkabel bedrohlich wie ein Texas-Cowboy, der eine Herde störrischer Rinder durch die Badlands scheucht. Doch eigentlich wirkt er selbst wie getrieben, unmöglich auch nur einen halben Songabschnitt ruhig zu stehen.

Omar Rodriguez-Lopez, mit weitem Kragen und Weste im Hendrix’ Gedächtnislook, lässt derweil an der Gitarre fuchtelnd beim stürmischen Auftakt von „Roulette Dares (The Haunt Of)“ einen Prog-Reigen niederregen. Die reguläre Spielzeit solcher Songs sind sowieso schon jenseits der sieben Minuten, wird hier aber gerne etwas improvisiert und ausgeschmückt. Zur großen Jam-Session schwillt der Gig allerdings nie an. Vor allem werden neue Meilensteine wie „Teflon“ oder „Luciforms“ vom Neuling gespielt. Vergleichsweise wenig Improvisation, dafür relativ viele Songs, bis nach zwei Stunden recht unvermittelt der Ofen aus ist und nur noch die Hitze bleibt. Keine Zugabe. Das pulsierende Ohrgeräusch nicht mitgezählt.

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