The Kooks – Ringlokschuppen Bielefeld, 03.06.09

von Hififi am 14. Juni 2009

in Feierlichkeiten

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Die Kooks spielen einen exklusiven Club-Gig im Bielefelder Ringlokschuppen. Was erstmal recht verlockend klingt, entpuppt sich als halbe Ente, so gibt es innerhalb der Mauern des besagten Schuppens zwei verschiedene Bereiche, die für ein Konzert in Frage kommen und dass es nun gerade der wesentlich größere sein würde, hätte ich nicht unbedingt erwartet. Alles über 1.000 Zuschauern hat in meinen Augen nämlich nicht mehr viel mit einem Club-Gig zu tun.

„Selber Schuld“, denke ich mir dann auch, als ich um 21 Uhr pünktlich zu den letzten Klängen der Vorband ganz hinten im ausverkauften Hauptbereich des Ringlokschuppens stehe und staune. „Eigentlich hättest du es besser wissen können“, kommt mir als nächstes in den Sinn, denn die Kooks sind nun schon lange keine Unbekannten mehr und je länger ich mir das Publikum betrachte umso klarer die Erkenntnis welches Klientel heutzutage auf Kooks-Konzerte geht. EinsLive sei Dank, sind Luke Pritchard und Konsorten knietief in der Zielgruppe der kaufkräftigen Klingelton-Generation angekommen. Was einerseits als Überlebender der Grunge-Generation komisch anmutet, ist auf der anderen Seite schon fast wieder beruhigend, so gehen die 16-jährigen heutzutage wohl doch noch auf Konzerte um ein wenig gewaltfreien Spaß zu zelebrieren. Also erst einmal abwarten und Bier trinken. Bier trinken ist im Ringlokschuppen so eine Sache, zum einen viel zu teuer, zum anderen aus Plastikbechern und last but not least Herforder mit ohne Kohlensäure. Vielleicht soll das aber auch so sein, damit das Jungvolk nicht noch auf böse Gedanken kommt und sich an so einem Freudentag betrinkt.

Auletta – ich habe mich dann doch noch mal schlau gemacht – heißt die Vorband aus Mainz, die den Reigen eröffnet hat. Nehmen wir einmal „Im Westen“: Die Gitarrenmelodie ist geradezu eins zu eins bei Franz Ferdinands „The Dark Of The Matinee“ geklaut, textlich versuchen sich unsere Mittzwanziger an gesellschaftlichen Grundfragen und klingen dabei überwiegend wie ein schlechte Arctic Monkeys-Kopie mit Farin Urlaub am Mikro. Das sage ich alles anhand eines gehörten Songs und stelle fest, dass es vielleicht nicht ganz so schlimm war, sie verpasst zu haben. Jetzt habe ich aber von anderer Stelle vernommen, sie hätten live tatsächlich Freunde gefunden, zucke mit den Schultern und bitte euch, euch selbst ein Bild zu machen.

Pünktlich im 21.30 Uhr spielen dann die Kooks zum Tanze auf und verscheuchen Kummer und Sorgen. Jedem noch so beharrlichen Miesepeter sei ein Konzertbesuch bei den vier Briten empfohlen, denn schlechte Laune hat hier keine Chance. Alt und jung glücklich vereint um ein wenig rum zu zappeln. In unnachahmlicher Weise hat das Quartett auf zwei Alben einen Gassenhauer nach dem anderen abgeliefert, auch wenn „Konk“ sicherlich vom Hitpotential mit seinem Vorgänger nicht ganz mithalten kann, und die gibt es komprimiert in gut einer Stunde auf die Ohren. Pritchards Ansagen bleiben dabei oft unkommentiert, bzw. werden ein wenig ratlos zur Kenntnis genommen, denn sie sind fies genuschelt. Eigentlich auch ganz egal, wir wollen „Naive“, „She Moves In Her Own Way“, „Ooh La“ und „Shine On“, eben halt die ganzen Ohrwürmer. Die Kooks sind absolute Medienprofis, spulen punktgenau und noch nicht einmal unsympathisch ihr Programm ab, spielen brav eine Zugabe und dann war es das auch. Das konzertunerfahrene Jungvolk hat eh kaum Vergleichsmöglichkeit und die, die es besser wissen, zehren noch von der guten Laune. Eigentlich alles bestens, aber ein ganz kleiner, schaler Beigeschmack bleibt zurück. Und mehr gibt es wirklich nicht zu sagen.

Fotos: Marcel Linke

Vielen Dank an dieser Stelle an Music2Web.de!

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