The Hirsch Effekt – dto.

von JonesKorn am 12. Mai 2009

in Musik!

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„The Hirsch Effekt ist eine hannoversche Indielectro Post-Punk Metal DIY Band“ – so die bandeigene Beschreibung. Bis Hannover kommt man noch gut mit, danach lässt einen die Beschreibung doch rätseln, was einen bei der Musik zu erwarten hat.

Inhaltlich spaltet sich die EP laut Rückseite in die zwei Teile Epistel und Epitaph, die wiederum aus zwei bzw. drei einzelnen Titeln bestehen. Die Stücke dieser beiden Teile gehen mehr oder weniger nahtlos ineinander über, textlich kann man einen Bogen entweder über die beiden einzelnen Teile oder aber auch über die gesamte EP spannen. Musikalisch wird ohnehin ein Rad geschlagen: womit bei dem ersten Titel „Calmo“ begonnen wird – ruhige Passagen, Elektroklänge, Streicher begleiten die E-Gitarre -, damit endet es beim fünften und letzten Titel „Maestoso“; ein Chor stimmt in den klaren Gesang ein. Eher klassische Elemente als Zutaten für ein progressives Süppchen, das mit einer guten Portion Experimentierfreude abgeschmeckt wurde.

Der bereits erwähnte Eröffnungstitel verleibt sich – passend zum Rest des Textes – Fragmente aus dem Gedicht „unbehelligt“ von Herbert Hindringer ein. Man kann es für ein Liebeslied halten, bei dem gegen Ende Zweifel laut werden. Die Wechsel von ruhig auf kraftvoll-aufgerührt halten die Spannung aufrecht. Als Stück Nummer zwei wartet „Vigoroso“ auf, dass ebenso gut auf der „The Emo Apocalypse“ LP hätte veröffentlicht werden können und das knapp die Suche nach Orientierung (im Leben) thematisiert.

Der zweite Teil der EP beginnt stürmisch mit den Titeln „Meno“ und „Lugubre“, wobei letzterer inhaltlich dann doch etwas zu viel Pathos verbreiten möchte. Das sprechschreiende Duett (männlich/weiblich) wertet den Titel aber wieder auf. Den Abschluss bildet „Maestoso“, das uns wieder Mut zuspricht (wie „Meno“ auch) und das mit dem bereits angesprochenen Chorarrangement auftrumpft.

Warum die ausschließlich deutsch gesungenen Lieder alle einen italienischen Titel bekommen haben, lässt sich nicht nachvollziehen. Das, wie auch die Texte selber, lassen dem Hörer also etwas Freiraum für Interpretationen und eigene Gedankenspiele. Die klaren Gesangspassagen erinnern mich manchmal an Echt (sind aber nicht so verheult) oder Selig (aber weniger leidend). Die Hardcore/Screamo Teile lassen mich meist an Loxiran denken, aber der Inhalt der Texte ist weniger politisch. Die Songstrukturen sind überwiegend einfach, bieten aber Abwechslung und einige sehr schöne Elemente. Streicher passen ganz einfach großartig zu E-Bass und -Gitarre und der Chor lockt auch ein wenig Gänsehaut hervor.

Metal konnte ich zwar keinen ausmachen, aber alles in allem ist diese EP ein empfehlenswert-spannendes Intermezzo, das auf einen Langspieler hoffen lässt. Und wenn man bedenkt, dass es in Eigenregie produziert wurde, muss man ein weiteres Mal für die stimmigen Arrangements und gute Qualität den Hut vor The Hirsch Effekt ziehen.

Kleine Randnotiz: Gitarrist Nils Wittrock war auch schon bei on canvas sowohl an den Saiten als auch produzierend tätig, ist hier also kein ganz unbekannter.

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