The Hickey Underworld – dto.

von Benjamin am 26. Oktober 2009

in Musik!

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Als ich mit 15 zum ersten Mal Live-Auftritte von The Jesus Lizard auf MTV sah (ja, richtig, damals gab es Sendungen wie 120 Minutes), war ich verstört und angetörnt gleichzeitig. Ich saß wie ein von Scheinwerfern hypnotisiertes Kaninchen vor dem Fernseher und fragte mich, warum man nur so schief und krachig klingen musste. Klar, Pavement waren auch schief, aber sie waren es immer noch auf so eine nette Weise (bis auf ein paar Momente auf Westing (By musket and sextant)). Nirvana hatten mich natürlich schon vorher entjungfert was Kaputtheit anging. Aber ich fand The Jesus Lizard toll. Ich fand es toll, dass es trotz Abgefucktheit noch immer gut klang und das Gute transportierte und nicht nur Absturz. The Hickey Underworld aus Belgien liefern mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum jetzt eine Palette an trockenen aber nicht nach Stonerwüste schmeckenden, krachigen aber nicht nach Chaos klingenden, harten aber nicht an Metal erinnernden Alternative-Rock-Songs ab, die das 90er-Herz hochschlagen lassen. Während Online-Magazine wie Pitchfork Bands hochleben lassen, die sehr sanft nach Beatles und/oder Beach Boys klingen, wo alle schön singen und die Gitarren zwar rauschen aber doch sehr versöhnlich stimmend, klingen The Hickey Underworld ziemlich erfrischend nach mutiger Hingabe. Man stelle sich vor, Animal Collective und Nirvana in einem Proberaum oder Deus und The White Stripes (noch einer? Sonic Youth und Bloc Party). Wie macht man Musik, die nach Können klingt aber nicht proggig und nicht nach dicker Hose, die sanft aber doch einschneidend ist? The Hickey Underworld beweisen das mit fast jedem einzelnen Song auf ihrem ersten Album, geschuldet ist das natürlich auch der erstklassigen Produktion, in der jedes Instrument klar heraushörbar ist, der Sound aber trotzdem hügelig bleibt. Es klingt einfach gut, wenn alles auf einer Platte gleichberechtigt erscheint, es aber trotzdem nicht verwaschen wird. So, liebe The Hickey Underworld, jetzt macht fein weiter und werdet Rockstars. Verdient hättet ihr das auf jeden Fall (oder eigentlich lieber eher nicht?).

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