The Electric Soft Parade – Prime Club Köln, 5.11.07

von Sterereo am 6. Dezember 2007

in Feierlichkeiten

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Unendlich lang schiebt sich die Regalschlange durch die scheinbar kilometerlange Halle. Verwinkelt stapeln sich die Plastikhüllen zu Pyramiden, Türmen und Quadraten, elektronisch erfasst und alphabetisch geordnet ergibt dies die größte Auswahl an Musik in der so genannten alten Welt. In unmittelbarer Nähe zum Elektro-Markt mit dem Kringelplaneten, nur drei verlassene Gässchen weiter, verschweigt eine schwere Stahltür, dass es dort ebenfalls einen ungleich kleinerer Fundus an gespeicherter Musik zu entdecken gibt – zusammen mit dem apokalyptischen Hinweis „Ausverkauf – 30%“. Inmitten der drei selbst-geschreinerten Regalverschnitte mit Vinyl-Neuerscheinungen und Second-Hand-CDs steht eine der zwei kreativen Hälften des „The Electric Soft Parade“-Songkosmos: Tom White. Er zupft und haucht wenige akustische Covers (z.B.: Elliot Smith) und das im Set des abendlichen Gigs fehlende, aber großartige „Bruxellisation“ den wenigen Leutchen entgegen, bevor er ins Taxi Richtung elektronischer Gitarre und Prime Club Bühne steigt.

Dort angekommen wartet schon die One-Man(Woman?)-Karaoke-Show von „Dear Britch“ auf höchstens schmunzelnde Zustimmung. Ohne Lack (ausgenommen die Fingernägel), dafür mit viel Leder und Liedschatten schmettert er/sie/es die britischen Lametta-Chansons nur so aus der Karaoke-Maschine, denn eine Band möchte hiermit anscheinend nicht in Verbindung gebracht werden.

Doch zu einem gescheitelten Blondschopf, der sich durch Publikum wuselt, schlägt das

cinesiastische Großhirn sofort eine Brücke: „Ist das nicht der Typ aus Crazy, der da zur Toilette huscht?“. Ist es, doch sein vermeidliches Bedürfnis ist ein anderes: mit seiner ehemaligen Schulband (Achtung, Vermutung) Namens „Gary“ versucht er die Strokes zu kopieren. Misslingt im ersten Teil vollkommen, taut allerdings schleppend auf und ist gerade, als die Spiellaune auch die hölzernen Mädels der Band erreicht, zu Ende.

Dann wird die Bühnentechnik umgepflügt. Tom und Alex bekommen ihre Monitore, in der Mitte wird Macbook samt Beamer eingestöpselt, bevor die Briten aus Brighton mit audio-visueller Unterstützung ins noch funktionierende Rampenlicht schlendern. Sofort wird der Turbo eingetreten, es dröhnen „Lights Out“ und „If That’s the Case, Then I Don’t Know“ mit voller Macht nach vorne, während die Beamer-Projection mit ebenfalls halsbrecherischer Geschwindigkeit durch eindeutig amerikanische Vorstädte jagt. Die Ohren klingeln, Schnautzer-Tom schwitzt und kickt sich durchs Set, während Alex von E-Gitarre zum Keyboard wechselt. Das Tempo bleibt hoch, aber die Brightoner Bengels beherrschen auch die schönen, seichten Töne. Fast schon schunkelig-selig: „Secrets“ von der neuen Platte „No Need To Be Downhearted“. Es wird also der Katalog der drei Alben abgearbeitet und sogar die eine oder andere B-Seite eingestreut. Manchmal mit einem gut hörbaren „Shit!“ begleitet, wenn wieder einmal das Video zu früh einsetzte. Diese ganzen Beamerei, wohl gedacht zum Austoben des Hobby-Filmers Tom. Vielleicht war also der kurze Stromausfall vom Electric Soft Parade-Strippenzieher inszeniert, um endlich die ungeteilte Aufmerksamkeit auf die Bilderflut zu lenken? Trotzdem gab’s beim angehen der Lichter ebenfalls vom Frontmann Szenenapplaus für den siegreich die Hände gen Betondecke reckenden Techniker. Vor dem Zugabenstück mit Hilfe der Karaoke-Transe „Dear Britch“, im Krankenschwesteroutfit (ausnahmsweise Baumwolle), durfte Tom noch die Anekdote erzählen, wie sie früher des Tages an der belgisch-deutschen Grenze angesichts nahender Obrigkeit ihr „Weed“ in die Hose steckten. Vorrat gerettet, Abend auch.

Als dann ganz regulär die Beleuchtung ansprang und die Taschentuchschipsel aus den Ohren gepult wurden, klatschte sich zwar niemand ab, doch die laute Soft Parade zeigte klar, wieso in Brighton kein Weg an ihnen vorbei führt.

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