The Dresden Dolls – Yes, Virginia…

von Hififi am 9. November 2006

in Musik!

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Auf der Neuen wird das gewohnte Schema perfektioniert. Phantasievoll, charmant und auch immer ein bisschen Chanson, oder anders: Klavier, Schlagzeug und Amanda Palmer. Die Dresden Dolls haben den Pop für sich entdeckt und der steht dem Duo aus den „Vereinigten Staaten und Amerika“ ganz hervorragend. Das „brechtian punk cabaret“ rockt die Weimarer Republik und selbstverständlich auch Nachkriegsdeutschland und erobert hoffentlich bald das großdeutsche Reich.

Es ist fast tragisch, aber ich bin mal wieder an einem Song kleben geblieben. „Delilah“ berichtet vom ganzen normalen Terror, nämlich dem häuslichen, klagt an und regt zum Nachdenken an. Also ein ganz normaler Dresden Dolls-Song? Ja und Nein; die Melodie ist wieder mal unwiderstehlich, der Songaufbau klassisch. Eine klassische Ballade und dann noch 6:54 Minuten lang, deutliche Anzeichen für eine Schnulze. So schlimm ist es dann auch nicht, denn Balladen im Dresden Dolls-Kontext sind zum Glück niemals schnulzig, dafür aber unglaublich intensiv. Nächstes Beispiel: „First Orgasm“, deutlich näher an Brecht und Weil und am Drama. Selbstbefriedigung ist ein unglaublich profanes Thema, aber auch hier täuscht man sich schnell. „First Orgasm“ ist gleich der nächste Ohrwurm und kein Ende. „Sex Changes“, „Backstabber“, „Dirty Business“, dieses Album ist mit Immergrüns geradezu voll gestopft. Der letzte Song auf dem Album („Sing“) ist gleichzeitig die aktuelle US-Single und bricht mit den gewohnten Konventionen des Duos. Erstmals erklingt eine Akustikgitarre, Amanda Palmer singt ruhig und entspannt, nur Brian Vigliones druckvolles Drumming verankert den Song sofort im Bandkosmos. Chöre gab es in dieser Form vorher auch noch nicht zu hören, und so nimmt die auferlegte Selbstlimitierung ihr fulminantes Ende, sehr zum Wohle des Hörers.

Die Dresden Dolls sind weiterhin nicht zu schlagen, wenn es um Drama und Selbstinszenierung geht, ungeschlagene Schauspieler, aber auch begnadete Musiker. Mit einem unglaublichen Gespür für Melodie und einer Amanda Palmer am Mikrofon steht dem Erfolg eigentlich nichts mehr im Wege. Vielleicht die Band selbst, irgendwie würde der schnöde Mammon gar nicht ins Bandgefüge passen. Vielleicht haben wir Glück und sie bleiben ein Geheimtipp, verdient hätten sie es.

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