The Decemberists – The King Is Dead

von Claudi Yeah am 13. Januar 2011

in Musik!

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The King is dead! Long live the King! Passender könnte ich mein Verhältnis zu den Decemberists zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht beschreiben. Durch ihre ersten vier Studioalben sind die Decemberists für mich der Inbegriff von etwas geworden, was ich gerne unter dem Begriff der Seemannsmusik zusammenfasse: keine kitschigen Shantygesänge, dafür Indiefolk, der Gefühle von Sehnsucht, Fernweh, Ankommen, zu Hause sein, um doch wieder in die Ferne schweifen zu müssen, Schönheit und Tragik zugleich auslöst.

Die Erwartungen an ihr letztes Album, „ The Hazards of Love“ (2009), waren also dementsprechend hoch. Die Folge konnte vermutlich nur Enttäuschung sein. Ein Konzeptalbum mit progressiver Musik, das nicht so recht Lust auf einen erneuten Hördurchgang machen wollte. Harte Worte. Mit ihrem neuen/sechsten Album, „The King is Dead“, sind die Decemberists jedoch lebendiger, denn je. „Here we come to a turning of the season“ heißt es zu Beginn des Openers “Don’t carry it all”. Der vermisste Seemann ist also wieder nach Hause zurückgekehrt, die Sehnsucht nach Ferne und Weite aber bleibt ungebrochen. Die gewohnt umfangreiche Instrumentierung, Mandoline und Mundharmonika („Don’t carry it all“), Violine („All Arise!“), Akkordeon („Rox in the Box“) und Pedal Steel („Dear Avery“, „Rise to me“), sowie natürlich nicht zuletzt die eindringlich-markante Stimme Colin Meloys verleihen den zehn einfacher als zuvor arrangierten, aber umso melodiöser agierenden Songs eine solch positive Melancholie, dass es eigentlich keinen Grund gibt, dieses Album nicht hören zu wollen, es funktioniert einfach. Stimmungsunterstützend oder -entgegenwirkend, „The King is dead“ in seiner Gänze könnte nicht passender sein. Unterstützung finden Meloy und seine vier Bandmitstreiter zum einen in der Stimme Gillian Welchs („O Brother, Where Art Thou“), zum anderen durch Peter Buck (R.E.M.) u.a. an der Mandoline.

Eine umgebaute Scheune, die zu einem nicht unbedeutenden Teil die Haltung von „The King is Dead“ widerspiegelt, wurde in der ländlichen Region Oregons zum Aufnahmestudio umgewandelt und hat den Dezemberisten ihre Freiheit wiedergegeben – und auch ein Stück weit dem Seemann in ihnen. Die Sehnsucht dauert an: „Please Avery, come home”.

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