The Decemberists – The Crane Wife

von Sterereo am 13. Februar 2007

in Musik!

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Dezemberisten! Russische Vaterlandsverräter! So hätte wohl Nikolaus der 1. geschimpft bei diesem Namen. Das war 1825, doch nun schreiben wir Februar 2007 und die Decemberists kommen aus dem amerikanischen Norden, wo es sicher ähnlich kalt ist im Dezember. Warm ums Herz wird’s allerdings bei der schönen Geschichte um „The Crane Wife“.

Es handelt sich dabei nämlich um eine alte japanische Sage. In dieser lebt ein alter Mann abgeschieden und einsam irgendwo in den Bergen. Eines Tages findet er zufällig einen verwundeten Kranich. Dieser bescheidene Mann pflegt das verletzte Tier, bis es eines Tages davon fliegt. Doch just am nächsten Tag steht eine Frau an seiner Tür: „The Crane Wife“. So leben beide in glücklicher Ehe und bescheidensten Verhältnissen, bis die Frau ihrem Mann anbietet feinste Seide zu spinnen um sie aus dem Elend heraus zu holen. Einzige Voraussetzung: Er darf ihr niemals dabei zusehen. Der Wohlstand kommt und der Mann wird immer (neu)gieriger. Und es kommt wie es kommen muss, er schaut in das Zimmer hinein und entdeckt einen schönen, weißen Kranich, der sich seine Federn ausreißt und daraus feinste Seide macht. Der Kranich fliegt davon und damit auch seine geliebte Frau…

Die drei Songs um „The Crane Wife“, das Album und die Band leben von der Stimme Colin Meloys. Die Eigenartigkeit der Stimme wird umschlossen von den unterschiedlichsten Instrumenten, wie Akkordeon, Geige oder Pedal Steel Guitar und ergiben somit einen, im positiven Sinne, sonderbaren Gesamteindruck. Die Decemberists haben auch auf „The Crane Wife“ wieder alles im Repertoir. Lieder über Mord („Shankill Butchers“) und dem Krieg („Yankee Bayonet (I Will Be Home Then)“ und „When The War Came“) sind teilweise echte Indie-Rock Nummern oder erinnern stark an Meloys Singer/Songerwritertum, je nachdem. Die erste Single „Oh Valencia!“ ist eine schöne Indie-Pop-Perle. Für das Video sind The Decemberists neue Wege gegangen. Sie spielten schlicht vor einer grünen Wand und fordern die Fans auf mit der green-screen Methode ein Video zu entwerfen. Dies brachte ihnen einen kleinen, witzigen Kampf mit Comedianstar Stephen Colbert ein, der behauptet dieser „green-screen-challange“ sei seine Erfindung. So oder so haben The Decemberists damit einiges an Aufmerksamkeit in ihrem Heimatland eingeheimst.

Doch das Sextett ist kein unbeschriebenes Blatt. „The Crane Wife“ ist bereits ihr viertes Album, aber dennoch das erste unter Capitol. Und auch die hohe musikalische Qualität spricht für einen Erfolg hierzulande. Mit diesem Album haben sie jedenfalls einen neuen Fan gefunden.

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